Zu 100 Jahre Automobil - 1986
![]() | |
|
Die Firma NSU Auto Union GmbH wollte zum Jubiläum des Autos im Jahre 1986 etwas Besonderes bieten. Da bekannt war, dass die offiziellen Veranstaltungen des VDA ganz im Zeichen der ältesten Automobilfirma stehen würden, entschloss sich Ingolstadt, einen Traditionsfilm herstellen zu lassen, der die Rolle und Bedeutung der sächsischen Firmen AUTO UNION, AUDI, HORCH und Wanderer sowie des schwäbischen Fahrrad-, Motorrad- und Autoherstellers NSU betonen sollte.
Da die nach 1945 gegründete Auto Union GmbH/Ingolstadt-Düsseldorf, infolge Misserfolgs, von Mercedes zu Volkswagen gekommen war, und hier 1969 mit der NSU AG fusionierte, bedurfte es für ein derartiges Projekt der Zustimmung der Konzernzentrale in Wolfsburg. Dort aber überschnitten sich seit 1945, infolge des Zusammenbruchs von 1945 und derVertreibung, die Interessen der Volks- und Kleinwagen (DKW)- und der Groß- und Luxuswagen-Fraktion ("Horchianer"). Hinzu trat, dass seit dem Vorstand Habbel in Ingolstadt der Traum vom Horch-Nachfolge-Modell (Audi) grassierte, der das Verhältnis zwischen der Konzernmutter Volkswagen und der Tochter "NSU Auto Union GmbH" derart belastete, dass um 1980 die Idee durch die Gazetten ging, "Audi" werde sich von VW lösen.
Hinzu kam, dass in der Spätphase Heinrich Nordhoffs Volkswagen AG unter der veralteten Modell-Palette, bestehend aus "Käfer"-Derivaten, litt, Verluste machte und von Audi finanziell unterstützt werden musste. So schien sich das Gewicht im Konzern zu verschieben. Das führte zu energischer Gegenwehr aus Wolfsburg. Leiding wurde als Aufpasser nach Ingolstadt geschickt und musste dort Ingenieure "jagen", die der frühere Mercedes-Konstrukteur Ludwig Kraus in den Scheunen rund um die Stadt versteckte. Der Missgriff K 70 (Kurt Lotz), das unselige Erbe des Zweitaktmotors in Ingolstadt, und die nachlassende Attraktivität des Käfers, forderten von Wolfsburg neue Lösungen. Toni Schmücker und der Golf retteten Volkswagen aus der Baisse.
Doch in der Konzern-Zentrale wurde peinlich darauf geachtet, dass auch künftig die VW AG von Norden geleitet werde. Das mussten Habbel und sein Adlatus Grosse Leege zu Beginn der 80iger Jahre schmerzlich erfahren, als es darum ging, mit dem Traditionsfilm, eine eigene Unternehmensgeschichte (sprich: Identität) aufzubauen. Daran hatten die Vertreter der Konzern-Linie in Wolfburg (Hahn, Konrad, Wiersch) kein Interesse. Das führte zu schweren Verwerfungen um den Traditionsfilm, die ich in einem Buch (Armageddon des Kommunismus) im Jahre 2006 dargestellt habe. Dass dieser Film von Audi und VW wenig geliebt wurde, hatte verschiedene Ursachen. Einmal bekam Habbel im zweiten Schritt Angst vor der eigenen Geschichte (Grosse Leege: "Sie können Alles sagen"). Es ging um "zuviel Hitler" in den Archivteilen des Unternehmensfilmes. Habbel fürchtete, entgegen erster "nassforscher Aufträge Grosse Leeges, um die Absicherung des sinkenden Audi-Absatzes in den USA (1984/86). Weiter hatten Hahn, Konrad und Wiersch an der Konzernspitze nicht vergessen, dass Audi nach Höherem strebte. Das führte dazu, dass Wolfsburg mit der DDR gegen Ingolstadt zusammenspielte, um zu verhindern, dass dort Akten und Materialien (Filme) der früheren AUTO UNION gesammelt,. katalogisiert und unternehmensgeschichtlich-marketingmäßig ausgewertet würden. Es wurde ein verlustreicher Kampf mit verkehrten Fronten geführt, der erst mit dem Ende der DDR zum Abschluss kam.
So zeigt dieser Film bereits vor zwanzig Jahren verschenkte Wege und Möglichkeiten, den Fundus der AUTO UNION-Geschichte für den Volkswagenkonzern insgesamt, und seine Tochter Audi im besonderen, nutzbringend auszuwerten.
Bernd F. Schulte







