Bernd F.Schulte

"König Ohne Land".

Oder: Als Norbert Haug noch gegen Mercedes schrieb.


Im Jahre 1981 trat Mercedes Knall auf Fall vom Rallye-Motorsport zurück. Ähnliches deutete sich bereits in den letzten Monaten wiederholt für die Formel 1 an. Zuletzt mit der Spekulation, die Brown-Siegerwagen in Silber umzuspritzen und McLaren damit den Laufpaß zu geben. Das ist Orginalton Norbert Haug (bei RTL), der sich damals, wohlgemerkt 1981, mit kritisch-spitzigen Fragen an den verdienten Vorstand Professor Breitschwerdt profilierte.

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Jetzt (in der Kombination mit McLaren) kann Haug kaum Einfluß nehmen - wenn Reden nicht als Ersatz genommen wird. Er ist ein Mann ohne Funktion. Das macht eher den Eindruck, als sei auf diese Art ein unbequemer Kritiker stumm gemacht worden. Mehr als alte Rallye-SLC auf Showdrifts zu ruinieren, kam dabei bisher auch wohl nicht zum Vorschein.

Weiter ist die Stimmung im Unternehmen, das Zutrauen der Mitarbeiter zur Führung, momentan derart schlecht, dass von einer Motivation zur Leistung in der Krise nicht gesprochen werden kann. Dafür sinnbildlich ist der Pressepool im Internet, dessen Mitarbeiter sich dadurch auszeichnen, dass sie langsam, wenig aufmerksam und auch noch unhöflich und unsachlich arbeiten. Das wird nicht aus der Krise führen. Im Zusammenhang mit direktem Kaufinteresse eines Gesprächspartners wurde z. B. jüngst das hemmende, blockierende Verhalten der Herren Zanker und Allner sogar contraproduktiv. Eine angekündigte Anwort vom Zentralvertrieb Berlin blieb zunächst aus, und dann ging es um einen 15 % Rabatt für Pressewagen, wonach ein Wunsch nie im Gespräch gewesen war! Auf die Richtigstellung in diesem Sinn kam auf die Fragen, die gestellt worden waren, erneut keine Antwort. Der Käufer geht jetzt zu Jaguar...

So scheint der Artikel von 1981 (AUTO MOTOR UND SPORT 2/1981, 148-151 und 8-17) weit über sich hinauszuweisen. Es kommen darin letztendlich beiderseits Grundhaltungen zum Ausdruck, die eine aktuelle Diskussion eines Formel 1-Rücktritts von Mercedes befruchten könnten. Alles das weist auf möglicherweise bestehende Grundmängel hin, welche heute verhindern mögen, dass Mercedes, 28 Jahre danach, bald wieder mehr Autos verkauft. Was aber sehr zu wünschen wäre.

 

Mercedes: Interesse, Desinteresse, gar kein Interesse?

brief.jpg (49076 Byte)Die Antwort der Mercedes Betreuer für Kunden des Vorstandes fiel derart aus, daß der potentielle Kunde an den Verkäufer schrieb mit dem er kurz vor dem Geschäftsabschluß stand:

"Auch haben mich die letzten Tage und Ereignisse dazu bewogen, das Thema Auto erst einmal zu sistieren. Lassen sie uns dazu im Sommer noch einmal sprechen. Das auch aus den verschiedensten Gründen - wie Sie wissen. Das "Kundenbetreuungsteam des Vorstandes" in Frankfurt hat mir schießlich geantwortet. Wieder einmal völliges Nichtverstehen, denn was soll das "Argument"/die Unterstellung, es sei um "Konditionen" gegangen? Von dem Rückruf der Hamburger Niederlassung habe ich seit dem 13. Mai nichts gehört. Wohl aber festgestellt, dass mein Wagen, der nach der Reparatur im Oktober dort seltsam federte und rappelte, lediglich schlecht von der Kollaustrasse gearbeitet war. Eine Schraube am Auspuff und eine Verkleidung festgezogen - und es läuft wieder. Das ist so eine besondere Qualität. Um einen "Gebrauchten" ging es auch nicht. Ich weiß nicht, was die Herren lesen. Soweit - so gut."

Er ist schon beängstigend, wenn ein derartiges Verhalten an oberster Stelle unverändert festzustellen ist. Mit dem Leiter der Auslieferung Sindelfingen, Herrn Schlossberger, wurden seitens des betreffenden Kunden schon 1983/85 diese Probleme thematisiert. Damals, so Schlossberger, sei an diesem Problem über Schulungen etc. gearbeitet worden. Aber mit welchem Erfolg, und vor welchem Hintergrund heute?

 

Breitschwerdt:
Wir haben Wichtigeres zu tun".

?: Herr Professor Breitschwerdt, hat sich die Daimler-Benz AG darauf spezialisiert, durch spektakuläre Entscheidungen zu glänzen? 1977, als niemand damit rechnete, stieg Mercedes in den Motorsport ein und Ende 1980, als alle Welt auf große Taten Ihrer Firma im Sport wartete, verabschiedete man sich sehr abrupt.

Breitschwerdt: Wir wollen natürlich nicht spektakuläre Dinge um ihrer selbst Willen entscheiden. Vielmehr war es 1977 so, daß unsere englische Vertretung uns fragte, ob zwei Mercedes, die bei der 30 000 Kilometer langen London-Sydney-Rallye starten sollten, mit Werksunterstützung rechnen könnten. Wir fühlten uns dann verpflichtet, nachdem wir zugestimmt hatten, die Wagen auch ordentlich zu betreuen. Anschließend hieß es sofort: Daimler-Benz beteiligt sich wieder am Motorsport. Wir hatten aber lediglich Kunden unterstützt, die mit unseren Fahrzeugen bei Langstrecken-Rallyes starten wollten: Das wollten wir damals auch weiterhin tun. Von Ihnen wurde ich damals auch gefragt, ob Daimler-Benz als deutsches Unternehmen nicht daran interessiert sei, den deutschen Weltklasse-Rallyefahrer Walter Röhrl zu verpflichten. Nachdem wir jetzt ein Werksteam aufgebaut haben, haben wir das auch getan. Auch ein wenig unter dem Druck der Öffentlichkeit haben wir damals unser Werks-Engagement im Rallye-Sport offiziell bekundet. Normalerweise machen wir das nicht so. Vielmehr planen wir ein Vorhaben zunächst intern und realisieren es dann entsprechend. Im Falle Motorsport fügten wir uns vielleicht etwas, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, Daimler-Benz wolle kneifen.

 

?: Sie haben also auf Druck der Öffentlichkeit Ihr Werks Sport-Engagement zugegeben?

Breitschwerdt: Nicht unter dem Druck der Öffentlichkeit, sondern wir hatten einzelne Kunden oder Vertreter unterstützt. Die Öffentlichkeit warf uns dann vor: „Euch fehlt nur der Mut, die mit dem Vorhaben verbundenen Risiken auf Euch zu nehmen. Ihr laßt Kunden und Vertreter nennen und steht selbst hinter dem Einsatz. Deshalb haben wir umgehend bewiesen, daß der Mut, unser Sport-Engagement zuzugeben, ganz und gar nicht fehlt. Ich halte diese Entscheidung auch heute immer noch für durchaus richtig.  

 

?: Der Wiedereinstieg von Daimler in den Sport scheint ja generalstabsmäßig vorbereitet worden zu sein. Man versteckte sich hinter den Engländern beim London - Sydney-Marathon, gab bei der Safari-Rallye 1978 erste vorsichtige Werksinteressen zu und stellte sich anschließend, bis Ende 1980, immer mehr offiziell vor das sportliche Treiben. Jetzt aber, da Ihre Firma an dem Punkt angelangt ist, wo sie mit großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr den heißersehnten Triumph der imageträchtigen Safari-Rallye erringen könnte, steigt sie Knall auf Fall aus. Wer soll das denn noch begreifen?

Breitschwerdt: Ich möchte jetzt an unsere offizielle Stellungnahme zum Sport-Rücktritt erinnern: Daimler-Benz baut Reisefahrzeuge, und diese eignen sich besonders für Langstrecken-Rallyes, also für außereuropäische Wettbewerbe. Leider ist aber mittlerweile auch bei den außereuropäischen Wettbewerben die Sprint-Rallye immer mehr in den Vordergrund getreten, so daß es nunmehr drei Wettbewerbe gibt, die als Langstrecken-Rallyes bezeichnet werden können. Und bei denen haben wir eigentlich recht viel erreicht. Natürlich hätten wir 1981 noch versuchen können, die Safari-Rallye zu gewinnen. Aber hätten wir danach aufgehört, wäre die Stimmung auch nicht anders gewesen als heute. Hätten wir diese Veranstaltung aber 1981 nicht siegreich beendet, dann hätte es wohl allenthalben geheißen: Daimler hört jetzt auf, weil die Safari wieder nicht gewonnen wurde. Sie sehen: Gleichgültig wann wir aufhören, wird es schwierig, diesen Entschluß zu vertreten. Wir müssen aber sehen, daß wir mit den für ganz andere Zwecke entwickelten Fahrzeugen einen sehr guten Erfolg hatten. Wir müssen sehen, daß wir für Sprint-Rallyes speziell eine Fahrzeugentwicklung betreiben müßten - mit anderen Kapazitäten, als wir sie bislang bei fast serienmäßigen Fahrzeugen einsetzten.  

 

?: Wurde dieser Umstand den Daimler-Verantwortlichen im Laufe der Zeit klar, wußten sie denn nicht von vornherein, daß eine Firma wie Fiat oder Ford speziell für den Rallyesport konstruierte Fahrzeuge in den Wettbewerb schickt?

Breitschwerdt: Natürlich sammelt man stets Erfahrungen. Natürlich war uns auch von vornherein klar, daß unsere Autos für die Sprint-Rallyes nicht so geeignet sein würden wie ein speziell entwickeltes Rallye-Fahrzeug. Als wichtiger Punkt kam noch hinzu, daß die Anzahl der Sprint-Rallyes in den letzten Jahren einfach gestiegen ist: Die Neuseeland-Rallye wurde kurz vor Beginn zur Sprint-Rallye. Genauso wie die argentinische Codazur-Rallye zunächst ein Langstrecken-Wettbewerb war und 1980 überraschend in eine Sprint-Rallye mit vergleichsweise kurzen Sonderprüfungen verwandelt wurde. Im Klartext: Von ehemals fünf oder sechs typischen pro Jahr wurden 1980 zwei oder sogar drei zu Sprint- Rallyes umfunktioniert.  

 

?: Herr Professor, war der Entschluß, mit dem Sport aufzuhören, denn schon bekannt, als sie Anfang November 1980 Walter Röhrl verpflichteten?

Breitschwerdt: Nein, sonst hätten wir Herrn Röhrl nicht verpflichtet. Aber: Bereits bei der Verpflichtung des Herrn Röhrl habe ich mich sehr lange und sehr ausgiebig mit ihm unterhalten. Ich habe ihm gesagt, daß unsere Überlegungen über das geplante Rallye-Engagement von 1981 noch nicht abgeschlossen wurden. Ich sagte Herrn Röhrl bereits damals, daß wir noch nicht wissen, ob wir im Jahr 1981 vier Rallyes, vielleicht sogar sieben oder unter Umständen gar keine werden bestreiten können. Wir ließen Herrn Röhrl ausdrücklich die Möglichkeit, seinen Weltmeistertitel zu verteidigen, notfalls auch mit anderen Fabrikaten. Natürlich war ich damals nicht der Ansicht, daß wir 1981 überhaupt keine Rallyes würden bestreiten können. Sonst wäre es ja unfair gewesen, den Rallye-Weltmeister Röhrl zu verpflichten.  

 

?: Waren denn Reaktionen der Medien, die anders ausfielen als Sie sich die erhofft hatten, mit ausschlaggebend für den Entschluß zum Rückzug?

Breitschwerdt: Nein. Da hätten wir schon zu früherer Zeit aufhören müssen. Es sind schon oft Dinge geschrieben oder ausgestrahlt worden, die uns dann hätten veranlassen müssen zu sagen: Nein, wir machen nicht mehr mit.  

 

?: Man weiß aber, daß Daimler-Benz in diesem Bereich erfahrungsgemäß etwas empfindlich reagiert.

Breitschwerdt: Also, ich möchte behaupten, daß Daimler-Benz diesbezüglich sogar besonders unempfindlich ist. Wenn Sie sehen, was uns manchmal alles in die Schuhe geschoben wird und wie wir darauf reagieren, dann muß ich sagen: Eigentlich kann sich da niemand beklagen, wir tragen solche Äußerungen schon äußerst gelassen.  

 

?: Ist Ihre Firma denn etwas enttäuscht von dem Echo, welches das Daimler-Sportengagement in den Medien fand, fühlte man sich öfter mal falsch verstanden?

Breitschwerdt: Manchmal waren wir schon etwas enttäuscht ob der Reaktionen seitens der Medien. Aber falsch verstanden wurden wir, glaube ich, nicht. Ich persönlich war nur böse, wenn die Fahrer ungerecht behandelt wurden, beispielsweise dann, wenn sich einer über 30 000 Kilometer zum Sieg geschunden hatte und die Medien feststellten: Es war keine Konkurrenz da.  

 

?: Sie, Herr Professor Breitschwerdt, reiften in den drei Daimler-Sport-Jahren ja zu einem Mann, der den Rallyes sehr zugetan war. Sind Sie denn jetzt von ihren Vorstandskollegen einfach überstimmt worden, als man sich gegen den Sport aussprach?

Breitschwerdt: Es hat niemand von uns gegen den Sport gestimmt. Es gab einfach logische Überlegungen darüber, was wir in Zukunft tun können und müssen. Diese Überlegungen haben zu dem Beschluß geführt: Wir müssen zunächst mit dem Rallye-Sport aufhören, um andere große Aufgaben übernehmen zu können. Wir haben gezeigt, was wir im Rallye-Sport mit unseren serienmäßigen Fahrzeugen leisten können. Unter den jetzt erkennbaren Bedingungen müßten wir uns noch energischer engagieren. Das sollten wir im Moment nicht tun. Wir haben zur Zeit einfach größere und schwierigere Aufgaben in der Serien-Entwicklung zu lösen.  

 

?: Sie wissen aber, daß dieser Entschluß herbe Kritik seitens der Medien und der Sportfreunde nach sich ziehen wird. Das Vorgehen der Daimler-Verantwortlichen in diesem Punkt war doch wohl etwas tollpatschig. Erst verpflichtet man den einzigen deutschen Automobil-Weltmeister aller Zeiten, und fünf Wochen später gibt man den Rückzug aus dem Motorsport bekannt.

Breitschwerdt: Ich kann nur sagen, daß wir mit unseren Fahrzeugen im Rallye-Sport und in der Öffentlichkeit im großen und ganzen das erreicht haben, was zu erreichen war. Jetzt müßten andere Wagen speziell für den Sport gebaut werden, und das ist derzeit nicht möglich. Das ist eine Entscheidung, die man einfach respektieren muß.  

 

?: Und dennoch wirkt das Ganze so, als ob die Weltfirma Daimler-Benz plötzlich erkannt hätte: So gut sind wir nicht im Rallye-Sport, wir lassen lieber die Finger davon.

Breitschwerdt: Dem muß ich widersprechen. Wir haben ja drei, fast vier Jahre lang mitgemacht, das ist eine sehr lange Zeit. Für die Öffentlichkeit ist es immer zu früh, wenn ein erfolgreicher Sportler aufhört. Aber es hat mich besonders gefreut, daß viele Journalisten und Sport-Begeisterte sehr traurig waren, als wir unseren Rücktritt bekanntgaben. Das hat mich sehr beeindruckt.  

 

?: Es war aber doch noch ein sehr großer Erwartungshorizont gespannt, man hat in naher Zukunft große sportliche Taten von Daimler-Benz erwartet und war noch keinesfalls gesättigt.

Breitschwerdt: Haben Sie schon einmal einen Sportler gesehen, der gesättigt war? Glauben Sie, daß der HSV zufrieden ist, weil er Bundesliga-Herbstmeister ist? Sicher nicht, er möchte Deutscher Meister werden.  

 

?: Aber können Sie sich einen HSV vorstellen, der erst den Beckenbauer verpflichtet und anschließend seinen Rückzug aus Bundesliga proklamiert?

Breitschwerdt: Ich habe schon Fußballvereine erlebt, die sehr hohe Verpflichtungen eingegangen sind und später nicht mehr weiter in ihrer Liga gespielt haben. Aber das ist ein schwieriger Vergleich.  

 

?: Gibt es Verantwortliche im Vorstand, die den Tag, an dem man ja zum Sport sagte, bereuen?

Breitschwerdt: Überhaupt nicht. Wir finden Sport auch heute noch als eine sehr reizvolle und aktuelle Aufgabe. Nur haben wir einfach im Moment zuviel anderes zu tun.  

 

?: Sie werden doch aber nicht behaupten wollen, der Firma Daimler-Benz sei erst in den letzten drei Wochen plötzlich klargeworden, daß Kapazitäten, die bislang dem Sport zur Verfügung standen, künftig unbedingt in anderen Forschungs- und Entwicklungs-Bereichen eingesetzt werden müssen?

Breitschwerdt: In der Tat haben die letzten vier bis fünf Wochen so deutliche Änderungen signalisiert, daß wir den Einsatz unserer Mannschaft gut überlegen müssen.  

 

?: Haben Sie so große Probleme mit Ihren Serien-Automobilen?

Breitschwerdt: Wir haben nicht so starke Probleme mit unseren Serien-Autos, sondern wir haben jetzt von außen, von der Regierung, so starke Anforderungen, die teilweise Zielkonflikte enthalten, daß wir tatsächlich alle Entwicklungskapazitäten dafür reservieren müssen. Und das zeichnete sich wie gesagt erst in den letzten Wochen ab.  

 

?: Herr Professor, sehen Sie die Gefahr, daß der Sport-Rücktritt einen Image-Verlust für die Firma mit sich bringen kann?

Breitschwerdt: Unser Image beruht in erster Linie auf dem Produkt, das wir herstellen und verkaufen. Da wir das Produkt durch die gewissenhafte Entwicklung eher noch besser machen werden, fürchte ich nicht, daß der Sport-Rücktritt zu einem Image-Verlust führt.  

 

?: Die Werbung von Daimler-Benz ist sehr friedlich angelegt. In Anzeigen wird eine fröhliche Familie im Mercedes gezeigt, die scheinbar sehr entspannt dahinreist. Wie vereinbarte sich denn damit die aggressive Raserei Ihrer Rallye-Chauffeure, die beispielsweise auf nicht abgesperrten Straßen durch Afrika jagten?

Breitschwerdt: Sie kennen unsere Fahrzeuge ja sehr genau, und deshalb wissen Sie wohl auch, daß unsere komfortablen Reisefahrzeuge auch für sportliche Fahrten recht gut geeignet sind. Wir werden die Erprobung dieser Fahrzeuge - .wie bisher schon - mit den höchsten Anforderungen durchführen. Deshalb können unsere Kunden dann später - wie Sie sagen - sehr entspannt reisen. Und suchen Sie bitte die Konkurrenten, die bei diesen Serienfahrzeugen mithalten können.  

 

?: Hat sich das Mercedes-Image durch den Sport verändert?

Breitschwerdt: Darf ich mal umgekehrt fragen: Was soll denn an unserem Image geändert werden? Es ist doch hervorragend. Unsere Auftragslage ist gut, der Wunsch, Mercedes zu fahren, ist doch so groß: Da kann das Image nicht so schlecht sein.  

 

?: Aber es sind vielleicht immer die gesetzteren Herren, die Mercedes fahren?

Breitschwerdt: Da habe ich gar nichts dagegen, ich bin ja auch ein gesetzter Herr.  

 

?: Dann braucht Ihr Unternehmen den Sport gar nicht zur Imageförderung?

Breitschwerdt: Ich bin der Meinung man braucht den Sport. Aber nicht immer fürs Image. Wichtiger für das Image ist das Produkt.  

 

?: Ist es richtig, daß ein Mercedes-Vorstand über Ja oder Nein zum Rallye-Sport befindet, ohne jemals im Leben einen solchen Wettbewerb gesehen zu haben?

Breitschwerdt: Selbstverständlich entscheidet der Gesamtvorstand darüber. Es ist überhaupt nicht erforderlich, daß diese Männer zuvor einen Rallye-Wettbewerb erlebt haben. Sie müssen als Journalist ja auch nicht Rallyes gefahren haben, um darüber berichten zu können. Für diese Entscheidung sind Überlegungen erforderlich, die ganz intensives und scharfes Nachdenken verlangen. Das kann und tut der Vorstand gewöhnlich.  

 

?: Durch diesen spektakulären Abgang ist die Chance für einen Wiedereinstieg doch sehr gering geworden. Wie wir Ihr Haus kennen, wird man sich jetzt einen Sport-Neubeginn nicht wie üblich hundert-, sondern tausendmal überlegen.

Breitschwerdt: Leicht wäre ein Wiedereinstieg in den Sport sicher nicht. Aber wenn es Argumente geben wird, die erneut für den Sport sprächen, dann würden wir auch wieder starten.

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