Ein deutsches Beispiel: Begrenzte Kritik ist erlaubt.


Da gibt es nicht viel zu ergänzen. Mercedes krankt an einer flexiblen Verkaufsstruktur. Der entscheidende Fehler war, die unbeweglichen Orlogschiffe "Niederlassungen" allein verantwortlich für den Verkauf zu machen. Die Regungen des Marktes waren allerdings kaum aufzunehmen, da der eigene Erfolg derart hartnäcklig war, dass ein Absterben kaum möglich schien. Auch war Mercedes/Daimler-Chrysler, Daimler durch den Hang zum Weltkonzern der Reuter/Niefer, Schremp (AEG, Fokker, Olympia, Zebra, Chrysler etc.) kaum in der Lage, die so eingehandelten Verluste zu kompensieren. Damit steht Daimler heute vor dem Scherbenhaufen der großen Ambitionen von einst.

Automarkt 2010: Audi überholt Mercedes

Mercedes verliert im kommenden Jahr seinen zweiten Platz hinter BMW bei den weltweiten Verkäufen an Audi. Zwar wird Mercedes in Deutschland mit rund 260 000 verkauften Fahrzeugen im Premiumsegment Marktführer bleiben, aber der Vorsprung der Stuttgarter Autobauer schmilzt um fast 20 000 Fahrzeuge. Das jedenfalls prognostiziert Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen hat sechs Gründe ausgemacht, warum Mercedes im Premiummarkt ins Hintertreffen geraten könnte.

Zum einen bietet Mercedes dem Kunden zwar viele Varianten an, aber erziele zu wenig Verkäufe pro Variante. Zum anderen habe Mercedes unter anderem bei den Imagewerten seine Führung verloren. Bei vielen wichtigen Kriterien wie "Verarbeitungsqualität", "hohe Zuverlässigkeit" und "Gutes Design" habe Mercedes seinen Vorsprung gegenüber Audi eingebüßt. Damit nicht genug. Kritisch sieht Dudenhöffer auch, dass Mercedes neben Jaguar über die ältesten Neuwagenkäufer verfügt. Bei Mercedes sind diese im Schnitt 55 Jahre alt, bei Audi 51 Jahre und bei BMW 49 Jahre. "Seit über 15 Jahren will Mercedes seine Kunden verjüngen. Bisher war dies ein wenig erfolgreiches Unterfangen", stellt Dudenhöffer fest. Als weitere Schwächen sieht der Autoexperte die "schlechte Kostenstruktur" sowie den Rückstand beim Zukunftsthema Klimaschutz gegenüber BMW an. Zudem werde die Marke in den kommenden Monaten durch Porsche weiter unter Druck geraten wird. "In den nächsten Jahren wird Mercedes potenzielle S-Klasse-Kunden an Porsche abgeben müssen", sagt der Auto-Professor.

Quelle: Horizont.net, 19.10.2009

Erinnern sollte sich Untertürckheim, dass 1926 die Fusion zwischen Daimler und Benz aus der Notlage von Inflation und staatlichem Umbruch geschah. Dort wären die Wurzeln für den Wiederaufstieg. Auch nicht in der Verquickung mit Staat und staatlichen Stellen, Behördengerschäften etc. Dort ist auch viel Risiko und wenig Ertrag. - Und was sagt es schon, wenn der Kanzler Mercedes fährt?

So wird sich Stuttgart erst dann berappeln, wenn neben den Problemen der Unternehmenstruktur, des Überbaus und der Ideologie auch die handwerklichen der Qualität und der Leistung gelöst werden. In dieser eingeschränkten Sicht liegt Dudenhöfer allerdings richtig, der sich natürlich die Türen bei Daimler nicht verschließen will.

Bernd F. Schulte



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