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Bernd F. Schulte

Wolfgang Mommsen: Dass nicht sein kann was nicht sein darf


Einleitung

Wolfgang Mommsen und Hans-Ulrich Wehler, beide Schüler Theodor Schieders, haben sich in der seit 1998 andauernden Diskussion um ihren Lehrer, und dessen Handeln während des III. Reiches, äusserst ungeschickt geschlagen. Das dokumentieren Winfried Schulze und Otto Gerhard Oexle in ihrem Sammelband "Deutsche Historiker im Nationalsozialismus" eindrucksvoll. Wenn dort Wolfgang Mommsen, nachgerade fahrlässig, seinen akademischen Lehrer als "Freund" Theodor Oberländers, des der aktiven Beteiligung an der Vernichtungspolitik des III. Reiches überführten Kon-Studenten Schieders in Königsberg, bezeichnet, drängt sich hier die Frage nach der Fernwirkung Schiederscher Anschauung bei Wehler und Mommsen auf. War Schieder doch noch in den 80er Jahren das Herz des Kampfes gegen Fischer. Und hat nicht die Arbeitsgemeinschaft Schieder, Erdmann, Frido Ritter mir nach meinen Publikationen zur "Riezler-Tagebuch-Afffaire" bei dem Schieder-Schüler, und Präsidenten des Bundesarchivs, Booms, einen "Roten Reiter" verschafft? Was 1983/84 einem Berufsverbot gleichkam. Wie ihr Herr und Meister haben Mommsen und Wehler sich in der "1914-Frage" gegenüber Fischer unverhüllt feindlich gezeigt*. Das konnte ich als Fischers Schüler noch in den 90er Jahren am eigenen Leibe registrieren. Metaphern des Umganges, die Schieder aus den 30/40er Jahren in seine einflussreiche Zeit nach 1950 übernahm, liegen offen ("Beware of the Wolves"), und wären, zum Beispiel bei Wolfgang Mommsen, zu orten.

So ist dessen Haltung zu der sogenannten "Kriegsrat-These" Fischers von offener Ablehnung gekennzeichnet. Doch wiederum geht es nicht um die Diskussion der Sachfragen, sondern, wie 1961 bei Ritter, Schieder, Erdmann, Herzfeld usw., um eine Fiktion, zu welcher die ursprüngliche These "überhöht" wird, um diese dann mit einer leichten Handbewegung vom Tisch zu wischen. Fritz Fischer beschrieb mir diese Taktik wiederholt als das berühmte "Pappkameraden aufstellen und abknipsen". Ein Begriff aus der Infanterie-Gefechtsausbildung. So wie im Fall Fischer ging es auch in den 80er Jahren weiter. Gern adaptierte Wolfgang Mommsen meinen Begriff der "Krisenkonferenz", ohne jedoch künftig auf dessen Herkunft sauber zu achten. Dazu gehört, dass Quellenfunde anderer gern ins eigene Gebäude übernommen werden. Weiter festgehalten wird an seit Dezennien widerlegten Argumenten. Dass neue Forschungsergebnisse deshalb nicht rezipiert werden, sondern verschwiegen, ergibt sich geradezu von selbst. Denn im diesem Falle würde sich jedes weitere Wort erübrigen. So sind Eigentore an der Tagesordnung. Doch wie der FC Bayern, sieht Mommsen in der "gegnerischen Mannschaft" nichts anderes als einen unzulässigen Störenfried.

So finden sich von Schieder bis Treue, und Berghahn bis Dülffer, sämtlich die Hilfstruppen, die aus "vornehmen Häusern" stammen. Das heißt von Universitäten kommen, die an der berühmten alten Rhein-Main-Linie die Position halten. Was die anderen schreiben ist Polemik. Da macht Wolfgang Mommsen aus seinem Herzen keine Mördergrube. Aber wehe, wenn Gegenwind kommt...

*Wehler wurde Anfang der 60er Jahre von Fischer als Assistent abgewiesen.

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Fritz Fischer spricht 1969 vom "vertagten Krieg". Dies ist eine Interpretation des sogenannten "Kriegsrates vom 8. Dezember 1912", die verfälscht, übergangen und verdrängt, bis heute der weiterführenden Behandlung harrt. Jedoch neben der irreführenden Diskussion zu Fritz Fischer, harrt zusätzlich die militärstrategische Auswertung der Aussagen, die während dieser Krisenkonferenz bei Wilhelm II. getätigt wurden, der Auswertung. Doch weder der um den Kaiser zentrierte Kriegsrat an sich, noch die vorgeblich von diesem Ereignis abgeleiteten Entscheidungen, haben vor der Forschung Bestand. Die optische Verengung des Fischerschen Zugriffs ist heute zu konstatieren. Keineswegs aber veraltete inzwischen die Erkenntnis, dass die Englandpolitik Bethmann Hollwegs durchaus fortgeführt wurde. Keine "Hampelmannpolitik", damit den "anderen" nicht "doch einmal die Geduld" reißt. England wolle in keinem Falle in einen "Kontinentalkrieg...verwickelt werden", so Bethmann Hollweg1.

Fischer gelangte zu der Folgerung:

"Der Ausgang dieser Krise innerhalb der Reichsspitze zeigt, dass sich die Konzeption des Kanzlers, der vor allem beim Kriegsminister v.Heeringen und bei Tirpitz Unterstützung fand, durchgesetzt hatte. Der nun auch von ihm als unvermeidlich angesehene Krieg sollte in der augenblicklichen Balkankrise nicht ausgelöst werden, weil die politische und militärische Lage des Deutschen Reiches nach seinem Urteil noch nicht hinreichend dafür vorbereitet waren. Bethmann Hollweg übernahm jetzt die Aufgabe, im Reichtag eine große Heeresvorlage durchzubringen, die Nation psychologisch auf den Krieg vorzubereiten, die Bündnispolitik des Deutschen Reiches zu aktivieren und vor allem eine günstige Ausgangslage für den Krieg zu schaffen durch Lockerung der Stellung Englands innerhalb der Entente, wodurch er England zumindestens in der entscheidenden Anfangsphase des Krieges neutral zu halten hoffte"2.

Wolfgang Mommsen macht in der jüngsten Fassung des Gebhardt zum Ersten Weltkrieg daraus3:

Es trifft nicht zu, daß die Reichsleitung von langer Hand auf den Krieg hingearbeitet habe" (Hervorh.v.m.,B.S.).

In der dazugehörigen Anmerkung wird behauptet, dies sei "bekanntlich die Ansicht Fritz Fischers" gewesen, "der eine systemmatische Kriegsvorbereitung seit der sog. Krisenkonferenz vom 8. Dezember 1912 nachzuweisen gesucht hat, eine These die gegenwärtig noch von A.Gasser, J.C.G.Röhl und B.F.Schulte vertreten" werde. Merkwürdig, dass Mommsen den Begriff der "Krisenkonferenz" von mir übernimmt, und dennoch, der Einfachheit halber, alle in ein Boot wirft, obgleich klar erkennbar sein sollte, dass ich in der Sache einen eigenen Weg suche4.

Ebenfalls jüngst bleibt Mommsen ganz dem traditionellen, dem Kaiser als Leitfigur der Epoche verhafteten Bild deutscher Geschichte verhaftet. Seine Interpretation der Balkankrise vom Herbst 1912 verharrt so, selbst 1995(3), auf dem Forschungsstand der 70er und 80er Jahre. Selbst eine wesentliche Erweiterung der Äußerungen vom 8.Dezember, nämlich den Schlagabtausch zwischen Moltke und Tirpitz zur mangelnden Kriegsbereitschaft von Flotte und Armee, übergeht Mommsen. Er will ausschließlich beweisen, dass die Vorgänge am 8. Dezember 1912 "mit bemerkenswerter Deutlichkeit" zeigten,

"Die chaotischen Verhältnisse in der Führungsspitze des Deutschen Reiches selbst auf dem Höhepunkt einer schweren internationalen Krise".

Gleichzeitig jedoch gesteht Mommsen zu, die Militärs hätten nunmehr "erstmals klar die Erwartung zum Ausdruck gebracht", dass es über kurz oder lang zu einem großen Krieg kommen werde". Mommsen sieht nicht die Zeugnisse aus dem militärischen Bereich, die seit spätestens 1887 derartige Äußerungen "zu Hauf" wiedergeben. Erst recht aber nach 1904/05 und 19115! Merkwürdig auch, dass der Düsseldorfer Historiker seine, seit deren erster Veröffentlichung überholte, These von dem "unwissenden" Reichskanzler wiederholt. Erneut wird übrigens konstatiert, "schon Fritz Fischer" habe die These vertreten,

"dass auf dem "Kriegsrat" vom 8. Dezember 1912 die Auslösung eines Weltkrieges zum Juli 1914 ins Auge gefasst und darüber hinaus beschlossen worden sei, dafür unverzüglich alle militärischen, bündnispolitischen und sonstigen Vorbereitungen zu treffen, vor allem aber das deutsche Volk psychologisch auf diesen Krieg vorzubereiten" (Hervorh.v.m.,B.S.).

"Davon" könne "freilich nicht die Rede sein", so Mommsen. Aber wo steht das bei Fischer? "Erstmals" soll am 8. Dezember 1912 die "Idee eines Präventivkrieges zur Lösung der politischen und militärischen Probleme des Deutschen Reiches ernsthaft in Erwägung gezogen worden" sein6. Sancta simplicitas! Herr Mommsen möge sich doch einmal ernsthaft mit den vorbereitenden militärischen Überlegungen für den kommenden Krieg auseinandersetzen!

Diese Äußerungen erstaunen umso mehr, als der Düsseldorfer Historiker bereits 1974 feststellte, die neue Heeresvermehrung (von 1913) sei bereits "seit Oktober 1912 von den zuständigen Ressorts vorbereitet" worden7. Gewiss haben sich die "Auswirkungen des Kriegsrates...in engen Grenzen" gehalten. Das - wie auch den Begriff der "Krisenkonferenz" - habe ich bereits 1980-1983 wiederholt entwickelt. Jedoch macht der Düsseldorfer Historiker damit ungewollt auf einen ungleich bedeutenderen Zusammenhang aufmerksam: nämlich die "Krisenkonferenz von Springe"8, während welcher bereits am 23.November 1912 die große Heeresvermehrung von Reichskanzler und Generalstabschef abgesegnet worden war. Der "Kriegsrat" vom 8. Dezember denaturiert damit nachträglich zu einer "quantitée négligeable".

Woher rühren aber Mommsens Tendenzen? Diese kaustische Frage führt zu einer überaus interessanten Beobachtung. Der Lehrmeister Mommsens, Theodor Schieder, bietet in seiner übergreifendenden Darstellung in der "Propyläen Geschichte Europas" noch 1977 den diplomatischen Bericht des deutschen Botschafters Fürst Lichnowsky aus London, der am 3. Dezember 1912 zum Ausgangspunkt der Diskussion beim Kaiser an dem berühmten Sonntag, dem 8. Dezember wurde (im Faksimile). Mit keinem Satz aber ging Schieder in seiner Darstellung auf diese Vorgänge ein9.

Wie begrenzt die Ergebnisse der historischen Forschung, im Fortgang der vergangen 76 Jahre, ausfallen verdeutlicht Emil Ludwigs Biographie zu Wilhelm II. Erstens weiß Ludwig von der Konferenz von Springe und zweitens durchschaut er die inneren Verbindungen. Ganz anders als unsere offiziöse Geschichtsschreibung heute:

Emil Ludwig: Wilhelm der Zweite, Berlin (Ernst Rowohlt Verlag) 1925, S. 408:

"Doch schon zwei Wochen später wirft ein ‚Jagdbesuch' des Thronfolgers Franz Ferdinand die Stimmung um: plötzlich erklärt der Kaiser den Augenblick für höchst ernst, die Verantwortung, Österreich noch weiter am Losschlagen zu hindern, können wir nicht übernehmen'. Solch ein Stimmungsumschlag, vom befreundeten Fürsten auf der Jagd oder in einer Abendstunde durch Suggestion erzeugt, zeigt aufs neue die weibliche Labilität dieses Charakters; zugleich zeigen sich die hochpolitischen Folgen: Konferenz der verbündeten Generalstäbe in Berlin, Sicherung des gleichzeitigen Aufmarsches, Kanzlerrede über Bundestreue, große Kriegsgefahr. Erst spät bemerkte man in Berlin, dass Wien alle düpiert hat, gar keinen Krieg, nur einen persönlichen diplomatischen Erfolg sucht: Graf Berchthold hatte mit dem Weltkrieg nur geschäkert.

Aber der Kaiser war scharf gemacht worden, forderte nun Aufklärung seines Volkes durch die Presse ‚über die Lebensnotwendigkeiten Österreichs, denn sonst wird, wenn der Krieg kommt, niemand wissen, für welche Interessen Deutschland in diesem Krieg zu kämpfen hat'. Russland aber stoppte noch einmal ab, Poincaré war darüber ‚in größter Bestürzung' und suchte nach den ‚verborgenen Gründen' der Umkehr.

Auf dem englischen Ohr ist der Kaiser wieder taub; große Anerbietungen Greys in Orientfragen werden durch Überforderung und Mißtrauen zerschlagen, genau wie anno Holstein gegen Chamberlain, und wieder wird gleich nach dieser deutschen Ablehnung ein Abkommen mit Frankreich, diesmal das briefliche mit Cambon, von England geschlossen. ‚Jetzt wissen wir, schreibt der Kaiser, ‚was wir zu erwarten haben...Jede Macht, die zu haben ist, ist gut genug, uns zu helfen. Es geht um Sein oder Nichtsein Deutschlands' (8.12.). So tief ist jetzt der Anspruch gesunken, vereinsamt steht das Reich, und da es sein Kaiser endlich erkannte, will er mit jedem gehen, der sich bietet."

 

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1 Fritz Fischer, Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911 bis 1914,
Düsseldorf  21969
, S. 231-238 (Zit. als: Fischer).

2 Ebd., S. 241.

3 W.J.Mommsen, Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914-1918, Bd. 17, Stuttgart 2002, S. 27. Der erste Fehler steckt bereits im Titel: der Erste Weltkrieg war nicht die Urkatastrophe Deutschlands, sondern Europas. Noch niemand ist, außer Mommsen, bisher auf die Idee verfallen, dieses Wort so zu zitieren. Weiter machen es sich die Herausgeber zur Aufgabe (S. VIII), sich den Kontroversen adäquat zu stellen. Bei Mommsen ist davon, außer der übertriebenen Erwähnung seiner Schüler, keine Spur. Der Gebhardt von 1979 würdigt den "Kriegsrat" keines Satzes. Vgl. K.E.Born, Von der Reichsgründung bis zum I. Weltkrieg, in: Handbuch der Deutschen Geschichte, hrsg.von H.Grundmann, Bd.3, bearb. von K-E.Born, M.Braubach, Th.Schieder und W.Treue, Stuttgart 91979, S. 224-374. Mommsen weiß sich mit dem Schüler von Erich Matthias/Mannheim, V.R.Berghahn, einig, der aus Fischers wohlabgewogener These macht, dieser habe "sich freilich(!) an dem Wortwechsel zwischen Moltke Tirpitz festgehalten und daraus als Beschluss der versammelten eine Verschiebung des großen Krieges auf den Sommer 1914 abgeleitet". Das kommt dabei heraus, wenn nicht auf die Originalquelle zurückgegangen wird. Auch hätte Berghahn im Juli 1997 längst die wahre Bedeutung des Kriegsrates kennen können. Aber er zieht es vor, der Röhlschen Sprachregelung zu folgen. V.R.Berghahn, Sarajewo, 29.Juli 1914. Der Untergang des alten Europa, München 21999, S. 92. R.Pommerin und M.Föhlich gehen in der Dokumentensammlung der Wissenschaftlichen Buchgemeinschaft Darmstadt (sic) weder auf das Problem der Englandpolitik Bethmann Hollwegs noch den "Kriegsrat", der durch eine englische Warnung an Berlin ausgelöst wurde ein. Vgl. R.Pommerin/M.Fröhlich(Hrsg.), Quellen zu den deutsch-britischen Beziehungen 1815-1914, Darmstadt 1997, S.159f.

4 Es fragt sich, warum Mommsen mir schriftlich1982 bestätigte, der Begriff "Krisenkonferenz" sei auch von ihm akzeptiert. Vgl. Bernd F.Schulte: Zu der Krisenkonferenz vom 8.Dezember 1912 in Berlin, in: Historisches Jahrbuch. Jahrbuch der Görres Gesellschaft. Bd. 1/102 (1982), S. 184-197.

5 W.J.Mommsen, Bürgerstolz und Weltmachtstreben, in: Propyläen Geschichte Deutschlands, Bd. 7/2, Frankfurt-Berlin 1995, S. 497 (zit.als: Mommsen, Bürgerstolz). Im wissenschaftlichen Apparat der Studienausgabe wieder einmal ungebührliche Polemik versteckt, drückt sich Mommsen um die Tatsache herum, dass neben Röhls Argumentation, wie er behauptet, auch die Seine überholt ist. Vgl. W.J.Mommsen, Grossmacht-Stellung und Weltpolitik, 1870-1914. Die Außenpolitik des Deutschen Reiches, Frankfurt-Berlin 1993, S. 336, Anm.30. Sämtliche Klimmzüge Mommsens um den "8. Dezember", die er 1990 vollführt, gehen am Ziel vorbei. Eines wird aber klar: er ist bemüht, Fischer in extenso zu widerlegen - und dies auf sämtlichen Gebieten. Sowohl des "Griff nach der Weltmacht" wie des "Krieg der Illusionen". Vgl. W.J.Mommsen, Innenpolitische Bestimmungsfaktoren der deutschen Außenpolitik vor 1914 (Erstdruck 1971), in: Ders., Der autoritäre Nationalstaat. Verfassung, Gesellschaft und Kultur im deutschen Kaiserreich, Frankfurt 1992, S. 325ff.

6 Ebd., Bürgerstolz, S. 498f. Äußerst zutreffend fasste Mommsen 1986 seine Argumentation gegen den "8. Dezember" zusammen. Doch ausschließlich gegen diesen - und dies, obwohl er den Hintergrund und die Einbettung des "Kriegsrates" in den Entscheidungsprozess beim Reichskanzler hätte zur Kenntnis nehmen müssen. Vgl. W.J.Mommsen, Der Topos vom unvermeidlichen Krieg. Außenpolitik und öffentliche Meinung im Deutschen Reich im letzten Jahrzehnt vor 1914, in: J.Dülffer/K.Holl, Bereit zum Krieg. Kriegsmentalität im wilhelminischen Deutschland 1890-1914, Göttingen 1986, S.220-23, Anm.25 (Wiederabdruck des in englischer Sprache 1981 veröffentlichten Originals). Erkennbar ist: über die Problematik um den "8. Dezember" ist nur in Anmerkungen zu handeln. Doch diese werden immer weiter ausgedehnt...Das bestätigt eindrucksvoll der Hildebrand-Schüler (sic) Ralf Forsbach, der den "8. Dezember", und dessen Vorgeschichte wie Umfeld, systematisch erforscht. Doch auch er übersieht, dass Augen- und Ohrenzeugen mehr wissen, als die nicht direkt Beteiligten. Und Kiderlen war nun einmal in Springe nicht dabei. Vgl. R.Forsbach, Alfred von Kiderlen-Wächter (1852-1912). Ein Diplomatenleben im Kaiserreich, Bd.2, Göttingen 1997, S.727-741. Eine In-Etwa-Wiedergutmachung für die verunglückte Riezler- Tagebuch-Edition Erdmanns durch die Bayerische Akademie der Wissenschaften. In diesem Zusammenhang sei auf den - im Rahmen der deutschen Historikerzunft - sich um die mögliche Objektivität bemühenden Forschungsbericht Klaus Hildebrands hingewiesen. Vgl. K.Hildebrand, Deutsche Aussenpolitik 1871-1918, München 1989, S. 84 e.a.

7 W.J.Mommsen, Die latente Krise des Deutschen Reiches 1909-1914, in: Handbuch der Deutschen Geschichte, hrsg. von L.Just, Bd. 4/1, Frankfurt 1973, S. 57. Vgl. ebd., S.59, mit der Denkschrift Moltkes, unmittelbar nach der Zusage des Kanzlers, vom 25.11.1912 zur Heeresvermehrung.

8 Bis heute nicht aufgenommen: Bernd F. Schulte, Europäische Krise und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs, 1871-1914, Frankfurt-Bern 1983.

9 Th.Schieder, Staatensystem als Vormacht der Welt, in: Propyläen Geschichte Europas 1848-1918, Berlin 21998, S. 291. Ein weiterer Schieder-Schüler, H.-U.Wehler, fokussiert seine Darstellung einerseits auf den "Kriegsrat" - andererseits, jedoch nicht ausschließlich, letztlich aber doch - um die Methode zu kennzeichnen, auf der Abwesenheit Bethmann Hollwegs am 8. Dezember 1912. Diese Konstruktion nützt lediglich einer Grundkonstanten der sogenannten "offiziösen" deutschen Geschichtsschreibung, die Politik des Kaiserreichs - damit deren Traditionslinie, Personen und Institutionen - vor dem Urteil der Geschichte zu retten. Das bedingt andererseits, dass heute minder mächtige gesellschaftliche Gruppen, wie zum Beispiel das Militär, bereitwillig geopfert werden. Schließlich hatte der Kanzler in seinen Memoiren jeden "Kriegsrat" während des Kaiserreichs geleugnet. Vgl. H.-U.Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd.3: Von der ‚Deutschen Doppelrevolution' bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, 1849-1914, München 1995, S. 1150f. (vgl. auch S.1110-1129). Gerade vor dem Hintergrund der inzwischen (40 Jahre nach entsprechenden Ansätzen in der DDR) in Gang gekommenen Diskussion um die deutschen Historiker im III.Reich, und der Wortmeldungen Mommsens und Wehlers in diesem Zusammenhang, stellt sich die Frage: welchen Einfluss gerade Theodor Schieder auf diese seine Schüler in der "1914-Frage" ausübte. Erinnern wir die äußerst zwiespältige Haltung Schieders zu Fischer, mindestens zwischen 1959 und 1983 (inklusive dessen Lüge dazu in der ZEIT im August 1983).

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