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Neues Deutschland, Sonnabend/Sonntag 20./21. August 2011 - Geschichte W7

Signal auf Krieg

von Gerd Fesser


Er ist ein Schüler des bekannten Hamburger Historikers Fritz Fischer, der in den 1960er Jahren nachwies, dass das Deutsche Reich die Hauptverantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug, und der deshalb von konservativen Historikern heftig angefeindet wurde. Bernd F. Schulte legt seinen 1983 erschienenen Aufsatzband „Europäische Krise und Erster Weltkrieg« in überarbeiteter und erweiterter auf Neuauflage (als E-Book: [Europäische Krise und Erster Weltkrieg, www.forumfilm.com]*) vor. Er bekräftigt und präzisiert seine Thesen und setzt sich mit Veröffentlichungen der letzten 25 Jahre kritisch auseinander.

Die Fixierung vieler Historiker auf den kontrovers interpretierten" Kriegsrat" vom 8. Dezember 1912 sei falsch, betont der Autor. Krisenkonferenzen, an denen die Spitzen von Reichsregierung, Heer und Marine teilnahmen, waren geradezu ein „Führungsinstrument" des Kaiserreiches. Der Autor verweist insbesondere auf die Konferenzen vom 3. Juni 1909 und 23. November 1912. Er führte den Nachweis, dass die Konferenz am 23. November 1912, die im Jagdschloss bei Springe stattfand, weitaus wichtiger als die vom 8. Dezember des gleichen Jahres war. Bereits in Springe fiel nämlich die Entscheidung zugunsten einer massiven Aufstockung des Heeres und damit einer verstärkten Kriegsvorbereitung.

Das vielberufene "Führungschaos" und die „Polykratie“ im Kaiserreich sind Fiktionen. Schulte dokumentiert, dass es zwischen Regierung, Generalstab und Marineführung einen intensiven Austausch von Informationen und eine gegenseitige Abstimmung gab. Nicht etwa Kaiser Wilhelm II. allein, so betont der Autor, bestimmte den Kurs der deutschen Politik, sondern „der Verbund von Politik und den Kräften der kaiserlichen Umgebung..., der Militärs, aber auch...’pressure groups’ aus Industrie, Landwirtschaft und Bürokratie".

Im August 2014 wird sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Male jähren. Neue Veröffentlichungen und Debatten sind zu erwarten. Da wird es gut sein, wenn die Quellenfunde und die Argumente Schultes präsent sind.

Bernd F. Schulte: Deutsche Policy of Pretention. Der Abstieg eines Kriegerstaates, 1871 bis 1914. Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen, Reihe II, Bd. 1, Norderstedt (BoD) 396 S., 22,80 €.

*) Von mir ergänzt/korrigiert, B.S.

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