Eine schwache Erholung ist in Sicht, die Auswirkungen der Krise werden aber noch lange spürbar sein
OECD-Wirtschaftsasusblick
Der Abschwung der OECD-Wirtschaften erreicht seine Talsohle am Ende der tiefsten Rezession seit 60 Jahren. Die sich abzeichnende Erholung wird voraussichtlich schwach und fragil bleiben und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise werden noch lange zu spüren sein. Zu dieser Einschätzung kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem aktuellen Wirtschaftsausblick, der am Mittwoch in Paris vorgestellt wurde.
Der Wirtschaftsausblick ist der erste seit zwei Jahren, in dem Wachstumsaussichten gegenüber vorhergehenden Projektionen nach oben und nicht nach unten revidiert werden. Besonders deutlich ist dies für die großen Schwellenländer und für die USA. Dagegen haben sich die Aussichten für die Eurozone und auch für Deutschland seit der letzen Projektion im März weiter eingetrübt. Für Japan ist die Situation unverändert.
Dank entschlossener Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft, sind uns die schlimmsten Auswirkungen der Krise erspart geblieben, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie. In den kommenden Monaten stehen wir aber vor weiteren großen Herausforderungen. Sobald sich der Aufschwung verfestigt, brauchen wir einen klaren und glaubhaften Plan, um die getroffenen Notmaßnahmen wieder auslaufen zu lassen. Dabei ist entscheidend, dass jetzt über eine solche Exit-Strategie nachgedacht wird, um für die kommenden Jahre neue Risiken zu vermeiden.
Nach den aktuellen Prognosen wird die Wirtschaft in den USA in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpfen. Die März-Prognose ging noch von einem Rückgang um 4,0 Prozent aus. Für 2010 erwartet der aktuelle Wirtschaftsausblick ein Wachstum von 0,9 Prozent gegenüber null Prozent in der März-Prognose. Die Talsohle für die US-Wirtschaft dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2009 erreicht sein. Der Aufschwung dürfte aber erst verzögert eintreten, da parallel zum Auslaufen der Konjunkturmaßnahmen Unternehmen und Verbraucher ihre Sparquote erhöhen dürften, um ihre Verschuldung zu reduzieren. Trotz der leichten Erholung wird die Arbeitslosigkeit in den kommenden zwei Jahren wohl auf rund zehn Prozent steigen.
In der Eurozone gibt es bislang keine klaren Signale für einen Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 4,8 Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr bei null Prozent stagnieren. (Märzprojektion 2009: minus 4,1 Prozent; 2010: plus 0,3 Prozent). Jedes Land für sich muss mit einer eigenen Kombination von Schwächen zurechtkommen: zerplatzende Immobilienblasen, schrumpfende Exporte oder ein angeschlagener Finanzsektor. Wenn eine Erholung eintritt, dürfte sie schleppend verlaufen, da die steigende Arbeitslosigkeit die Konsumausgaben beeinträchtigen wird.
Für Deutschland geht der aktuelle OECD-Ausblick in diesem Jahr von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,1 Prozent aus und für 2010 von einer leichten Erholung um 0,2 Prozent (Märzprognose: 2009: minus 5,3 Prozent; 2010 plus 0,2 Prozent). Die Arbeitslosigkeit dürfte bis 2010 auf 11,6 Prozent (nach ILO-Standard) steigen.
Österreichs Wirtschaft dürfte 2009 um 4,3 Prozent schrumpfen und 2010 bei minus 0,1 Prozent stagnieren. Für die Schweiz erwartet der aktuelle Wirtschaftsausblick für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent und für 2010 einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent.
Chinas Wirtschaft scheint sich dank umfassender Konjunkturstimulierung bereits im Aufschwung zu befinden. Für 2009 wird nun ein BIP-Wachstum um 7,7 Prozent und für 2010 um 9,3 Prozent erwartet. Im März lag die OECD-Wachstumsprognose noch bei 6,3 Prozent für 2009 und 8,5 Prozent für 2010. Für die Wirtschaftsleistung in Brasilien erwartet die OECD in diesem Jahr einen Rückgang um 0,8 Prozent und für 2010 ein Wachstum um 4,0 Prozent. In Russland wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 6,8 Prozent schrumpfen und dann 2010 wieder um 3,7 Prozent wachsen. Indiens Wirtschaft wird 2009 um 5,9 Prozent wachsen, 2010 dürfte dann wieder ein Wachstum von 7,2 Prozent erreicht werden.
Für Japans Wirtschaft wird für dieses Jahr ein Rückgang um 6,8 Prozent erwartet und für 2010 ein leichtes Wachstum um 0,7 Prozent (Märzprognose 2009: minus 6,6 Prozent; 2010: plus 0,5 Prozent). Es gibt Anzeichen, dass die durch den Einbruch des Außenhandels ausgelöste Rezession zum Stillstand kommt, der Aufschwung wird allerdings nur langsam erfolgen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und ungenutzter Kapazitäten ist es wahrscheinlich, dass die Deflation sich weiter fortsetzt.
Der Wirtschaftsausblick geht weiter für die kommenden zwei Jahre von einem sinkenden Inflationsdruck aus, sieht aber abgesehen von Japan wenig Risiken einer anhaltenden Deflation.
Angesichts eines voraussichtlich schwachen Aufschwungs, spricht sich die OECD dafür aus, dass die Regierungen ihre angekündigten Konjunkturpakete schnell und umfassend umsetzen. Steuererleichterungen oder Ausgabenprogramme sollten nicht übereilt ausgesetzt werden, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Gleichzeitig ist eine bessere Regulierung der Finanzmärkte unbedingt erforderlich, um zukünftige Krisen zu verhindern.
Wenn die Erholung ausreichend stark ist, müssen öffentliche Schulden und Haushaltsdefizite reduziert werden, heißt es im Wirtschaftsbericht. Die dann nötigen Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen müssen so ausgerichtet sein, dass langfristige Wachstumsperspektiven nicht beeinträchtigt werden. Der Konsolidierungsbedarf ist groß, aber nicht beispiellos, sagte der amtierende OECD-Chefökonom Jorgen Elmeskov. Einmalig ist allerdings, dass die Konsolidierung über die Länder hinweg koordiniert werden muss.
Weitere Informationen unter: www.oecd.org/de/wirtschaftsausblick
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