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Bernd F. Schulte

Der Angriff der USA auf Europa läuft.

Die USA nutzen die Finanzmacht und Wirtschaftskonkurrenz als Waffe gegen Europa.


(news4press.com)

Rating Agenturen, ein langer Arm der amerikanischen Außenpolitik, bilden eine Mechanik der amerikanischen internationalen Beziehungen im Kampf um die Weltmachtposition der USA. Europa, im Zielfeld seit 1995, liegt unter konzentriertem Beschuß durch Herabstufungen der finanziellen Bonität von Mitgliedsstaaten. Der Hebel Griechenland wird nun - trotz aller laut kommentierten Abwehrbemühungen der EU, erneut angesetzt. Die Financial Times hatte bereits diese Zusammenhänge und Hintergründe offengelegt.

Warum sieht das die deutsche (europäische Politik nicht? Theo Weigel hat gestern bei PHOENIX entwickelt, wie das in den 90iger Jahren durch die Regierung Kohl gelöst wur­de. Jedenfalls nicht unter dem "Hühnerhofgeschrei" der heutigen Regierung Merkel.

Bereits 2010 lagen diese Erkenntnisse offen zutage. Das Handelsblatt zeigt sich heute nun beeindruckt von einer dunklen Gefahr, die Europa bedrohe. Hier der Artikel von 2010, der auf den Erkenntnisse der Financial Times von damals fußte:

"S&P, Moody’s und Fitch stufen Griechenland im Dezember 2009 tiefer ein. Wolfgang Schäuble erkennt, dass die griechischen die deutschen Probleme sind. Schon jetzt ist klar (Hauhaltspolitiker, EZB, A.Weber, J.Ackermann, dass Griechenland geholfen werden muß. Das Mittel: “gepoolte Kredite der Euro-Staaten in Kooperation mit dem IWF”. Trotz Geheimhaltung(! läuft die Nachricht wie ein Lauffeuer um die Welt. Die Börsen reagieren. Ein erster Riß im System des deutschen Parlamentarismus. “US-Banken und Hedgefonds [spekulieren] auf einen Bruch der Euro-Zone”. Das ist die alarmierende Meldung (6. Februar. Es geht um eine Attacke einer US-Investmentbank und von zwei Hedgefonds auf Griechenland, Portugal und Spanien, den “weichen Bauch Europas”.

Ende Januar waren Delegierte von Goldman Sachs, Citadel Investment Group / Chicago, Eton Park Capital Management / NewYork und John Paulson in Griechenland gewesen. Das Motto lautet: “Angriff aus Amerika”. Doch die Meute hat inzwischen Kasse gemacht und ist nach Portugal und Spanien weitergezogen.

Gleichzeitig: Am 8. Februar treffen sich bei Monness, Crespi und Hardt und “mit Zitrone gegrilltes[m] Hühnchen und Rinderfilets”, in Manhattan Verteter von SAC Capital Advisors, Soros Fund Management, Greenlight Capital, Brigade Capital und Paulson & Co, um über Griechenland, Euro und Gold zu diskutieren. Wortführer, SAC-Capital-Chef Steven A. Cohen “drängt seine Kollegen, auf einen Kursverlust des Euro zu setzen”. Dieser steht bereits bei $1,37. Die Terminmärkte steigen ein: es wird “an der Chicago Mercantile Exchange(CME auf einen Kursverfall des Euro” gewettet (Volumen: 7,6 Mrd. $ / Ende Februar: 8,9 Mrd. €). Aber der größte Teil des Devisenhandels findet außerbörslich statt. Paulsen und Soros (“die Eurozone könne auseinanderbrechen”) drehten an der Panikschraube. Es kann viel Geld gemacht werden, ist die Devise. Charles Bilderman (Hedge-Fonds-Lobbyist) spottet: “Das ist politische PR!”

Und Europa? Reichlich unkonkrete Erklärungen am 11. Februar in Brüsel, wo Frau Merkel die Nordrhein Westfalen-Wahl verliert. Frankreich steht – anders als Deutschland – strikt zu Griechenland. Europa soll das allein schaffen. Doch Merkel will den IWF ins Boot ziehen (und damit die USA und China). “Doch die Bereitschaft des Marktes, sich zu beruhigen, ist gering”. Die Sparauflagen für Griechenland scheinen wie “Selbstmord aus Angst vor dem Tod” (Bismarck). – Die griechischen Sparer räumen als Antwort ihre Konten ab. Strauss-Kahn schweigt zu Griechland, Deutschland soll von den € 30 Mrd. acht schultern. Schäuble in Berlin gilt als angeschlagen. Schweigen auch bei den G 20. Hinter den Türen aber kocht es. – Notfallplan des IWF mit Griechenland. Der kanadische Finanzminister zeigt in die richtige Richtung: es wird nicht reichen. Die Deutschen aber “winden sich schon wieder”.

Als erwiesen gilt der Komplott von New York. Doch auch “Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter” haben mitgespielt. Sogar CocaCola habe gegen den Euro gesetzt, so wird berichtet. Was aber bedeutet das? Aus den USA wird seit 1969, der sozial-liberalen Koalition des schwarz-weiß-roten Willy Brandt mit dem natioalliberalen Walter Scheel, der Rückzug aus Europa eingeleitet. Die Anlehnung Bonns an Moskau (in der Hoffnung auf die deutsche Einheit) brachte die Entfremdung mit den USA. Die Wiederaufnahme des Mitteleuropaplanes von 1914 (Naumann, Rathenau, Bethmann Hollweg) die Gegenzüge der USA gegen einen Konkurrenten Europa. 1916-18, im Ersten Weltkrieg, 1941-45 im Zweiten, wurde die Einigung Europas durch Amerika verhindert. Nun, mit Leman Brothers, Griechenland, etc. folgt die 3. Episode unserer Geschichte. Oder steht hinter den New Yorker Hedgefonds etwa nicht das State Department in Washington? Europa erliegt insgesamt nun immer wieder der Illusion, den Flügelmächten adäquat zu sein.

Vgl. H.v.Butlar, P.Ehrlich, M.Schrörs, T.Pache: Das Hellas-Komplott, in: Financial Times Deutschland, Montag, 26.4.2010, S. 6f.

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