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Bernd F. Schulte

1918/1945 = Falsche Erinnerung.


Nicht der Stellungskrieg der Jahre 1914/18, sondern der Bewegungskrieg zwischen dem 15. August und dem 14. September 1914, war entscheidend für das Schicksal Europas.- Im Jahre 1998 feiern Historiker das Jahr "1918" auf mannigfaltigen Kongressen. Dagegen wird in Deutschland über das Jahr "1914" seit 80 Jahren gern hinweggegangen, denn am Ausbruch des Ersten Weltkrieges würde deutlich werden, daß der Erste Weltkrieg für Deutschland an der Marne verloren ging.

Seit 1891 hatte der deutsche Generalstab - in Konkordanz mit dem damals in die Wege geleiteten Flottenbau - die deutsche Kriegsvorbereitung von einer anti Ost (gegen Rußland) in eine anti West (gegen England) gerichtete Option verändert. Dieses Konzept blieb, trotz des Verfalls der Flotten- und anti-England-Strategie ("Weltpolitik"), erhalten. Denn der Berliner Generalstab war weiterhin überzeugt, nur so England treffen zu können.-
Die deutsche Armee, die 1914 England, Frankreich, Belgien und Rußland angriff, glaubte sich dieser Koalition überlegen. Allerdings war die taktisch-technische Entwicklung in den Friedensjahren seit 1871 an ihr überwiegend vorbeigegangen. Ausgedehnte Kritik des Auslandes hatte bereits seit 1905 gravierende Schwächen in Führung und Gefecht offen gelegt. Die Verachtung der feindlichen Waffenwirkung, geradezu napoleonisch anmutende Gefechtsformationen, die einseitige Überbetonung des Angriffs und der unzulänglich praktizierte "Kampf der verbundenen Waffen", wie mannigfaltige Schwächen der Waffengattungen, entzogen sämtlichen operativ-strategischen Machinationen Mitte September 1914 an der Marne die Grundlage. Dort, ostwärts Paris, lief sich der deutsche Angriff fest, weil die Gefechtsstärken um 50 Prozent gemindert waren.

Der folgende Streit zwischen den für diesen Fehlschlag Verantwortlichen, legte die Basis für die irrige Anschauung, wenn 1914 "technische" Fehler vermieden worden wären, würde das deutsche Zweifrontenkriegs-Konzept zum Erfolg geführt müssen. Diese Illusion, die im September 1914 vom Hauptquartier der deutschen 1.Armee ausging, machte über die Jahre hinweg den Zweiten Weltkrieg militärisch und psychologisch erst möglich.

Im September 1914 vor Paris. - Der vergessene Krieg.

3000 Kilometer durch Frankreich mit einem Saab Cabrio. Aber das Ziel war der Marnebogen bei Meaux, kurz vor Paris. Dort im Hotel "New York" (Disneyland) bezogen wir Quartier für Exkursionen auf die Schlachtfelder des September 1914. -

Vor 84 Jahren liefen dort die kriegsentscheidenden Kämpfe zwischen der französisch-englischen und der deutschen Armee ab. Der Krieg, so wie er 43 Jahre lang vorgedacht und vorbereitet war, erreichte zwischen dem 4. und 14. September 1914 hier seinen Kulminationspunkt.-

Die Historiker, vor allem in Deutschland, versuchen seit Jahrzehnten, diesen Krieg immer von neuem zu gewinnen. Außerdem überbetont die Historiker-Zunft, selbst im Jubiläumsjahr 1998, den vier Jahre andauernden Material- und Zermürbungskrieg an der damaligen Westfront*. Doch dieses Bild, des uns scheinbar so nahe stehenden "industriellen oder totalen Krieges", führt in die Irre. Vor allem die deutsche Seite plante in einer kurzen, scharfen Kampagne Frankreich zu schlagen, Rußland zurückzudrängen und England vom Kontinent zu vertrieben. Was letztlich bedeutete: das Deutsche Reich wäre nach einem, auf die Dauer von höchstens zwei Jahren berechneten Krieg, zur Hegemonialmacht Europas aufgestiegen./p>

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* So jüngst Hans-Ulrich Wehler in der ZEIT: "Der erste totale Krieg. Woran das deutsche Kaiserreich zugrunde ging - und was daraus folgte. In: DIE ZEIT, Nr. 35, 20.8.1998, S. 66.

1. Zwischen Petit Morin und den Sümpfen von Gond

Wir suchen die vergessenen Schlachtfelder dieser Entscheidung. Diese liegen östwärts von Paris, zwischen Meaux und Montmirail. Die unmittelbare Anschauung soll die Bedingungen unter denen die Truppen hier kämpften, die Strecken, welche die Einheiten zurücklegten, die Geländeschwierigkeiten, die sich in dem durchschnittenen Gelände boten und die Kampfentfernungen, wie den Hinderniswert verschiedener Fluß- und Bachabschnitte verdeutlichen.

Rückblende

Die deutschen Armeen des rechten Heeresflügels waren seit dem 15. August 1914 kämpfend durch Belgien und Nordfrankreich vorgestoßen. Marschleistungen von bis zu 80 Kilometern pro Tag waren die Regel. An den bedeutenden Geländeabschnitten der Maas-Sambre-Linie, wie später auch an Ourcq und Aisne, und schließlich der Marne, fanden mehrtägige Schlachten statt, die u.a. bedingt durch die Marschleistungen, zu hohen Verlusten des Angreifers führten.

Gesteigert wurden diese zusätzlich durch ein übereiltes und nur unzulänglich die Stärke des Verteidigers berücksichtigendes Kampfverfahren. Dies bestätigten die Kriegsveteranen nach 1918. Die Akten der Heeresleitung zeigen dies Blatt für Blatt. Nur die heroisierende kriegsgeschichtliche Bearbeitung des Ersten Weltkrieges, als politisch-gesellschaftlichem Phänomen, ließ diese bittere Wahrheit zurücktreten.- Erst in jüngerer Zeit wurde dieser zentrale Aspekt der Weltkriegsforschung neu beleuchtet.**



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** Vgl. Bernd F.Schulte: Die deutsche Armee, 1900-1914. Zwischen Beharren und Verändern. Düsseldorf 1977. Ders.: Europäische Krise und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreiches, 1871-1914. Bern-New York 1983. Ders.: Neue Dokumente zu Kriegsausbruch und Kriegsverlauf 1914. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 1/79.

 

Disneyland/Paris steht zu diesem Thema in einem geradezu diametralen Gegensatz. - Doch die bunte Vielfalt dieses Platzes, die sich überdies in den großen Hotels der Anlage spiegelt,

 bildete ein wohltuendes Gegengewicht zu den oft bedrückenden Einsichten und auch körperlichen Anstrengungen, die uns die Erkundungen brachten. *

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* Allerdings auf dem Lande findet sich kein einziges Restaurant/Wirtschaft. Wenn Sie McDonalds, American Express, Nestlé und Walt Disney "mögen", dann sind Sie in Disneyland richtig. Essen und Qualität gingen hier jedoch nicht zusammen.

 

Zur Topographie

Die Exkursionen galten dem Petit Morin, der sich von West nach Ost den deutschen Armeen vorlegte und in etwa das weiteste Vordringen der deutschen Armee in diesem Krieg nach Süden bezeichnet.-

Dieser Geländeabschnitt, der südlich des Marnetales, weniger tief eingeschnitten aus den Sümpfen von Gond im Osten gespeist wird, erreicht erst kurz vor Paris eine höhere Sperrwirkung für Angreifer wie Verteidiger. Es finden sich hier bedeutende Höhenunterschiede und kleine, enge Ortschaften, die für Angreifer wie Verteidiger längeren Aufenthalt hätten verursachen können. Daß dies im September 1914 nicht eintrat, war zu großen Teilen in der damals vorherrschenden operativ-taktischen Grundanschauung des Bewegungskrieges begründet, die stärker den Stoß und die Parade im offenen Gelände anstrebte. Der Positions- oder Stellungskrieg der Jahre 1904/05 in der Mandschurei sollte so vermieden werden.-

Im mittleren Abschnitt präsentiert sich der Petit Morin als sanftes Tal, das sich ohne Geländeverstärkungen nicht als Verteidigungsabschnitt anbietet. So ging der Stoß der deutschen Verbände ohne Aufenthalt über diesen Bereich hinweg. Weiter östlich, am westlichen Rand der Sümpfe von Gond, erreichte die deutsche Front eine Höhenrandstellung, die sich nicht weiter nach Süden auszudehnen ließ.

Rückblende

Neben den geschwundenen Frontstärken war für das Steckenbleiben des deutschen Angriffs der Versuch der 1.Armee verantwortlich, ostwärts an Paris vorbeistoßend, die nach den Schlachten von Mons und Le Cateau in ständigem Rückzug befindlichen Engländer, mit in die geplante die Kesselschlacht bei Troyes hineinzutreiben. Damit bot das deutsche Heer die tiefe offene rechte Flanke jedem Vorstoß, den französische Kräfte aus Paris heraus unternehmen mochten. Genau dies trat ein, und wurde vom Armeeoberkommando 1 mit einer kühnen, jedoch die Kräfte der Soldaten überfordernden Rochade der aktiven Verbände vom Petit Morin in den Raum nördlich Meaux beantwortet.

Das Gelände, das diese Kräfte in Eilmärschen durchschritten, ist charakterisiert durch das tief eingeschnittene Marnetal, eine äußerst unwegige Hügellandschaft südlich und nördlich, und schließlich, am Ourcq-Abschnitt, durch Sumpf und Waldgelände im Bereitstellungsraum, wie durch weite Ebenen westlich, dem Angriffsgelände ostwärts und nördlich der französischen Stellungen. Allein das Verschieben der Kräfte, schließlich Bereitstellung und Angriff, wie Entflechten und Neuansatz nach Süden, im Fall des Erfolges, mußten derart viel Zeit in Anspruch nehmen, daß es kaum möglich erscheint, die über Petit Morin und Marne nachstoßenden Engländer und Franzosen, bei deren Vordringen in den Rücken des deutschen Heeres, abfangen zu können.- Ganz zu schweigen von der Fortsetzung der Umfassungsoperation gemäß dem ursprünglichen deutschen Plan.

Die 2.Armee befand sich im Raum südlich Montmirail in erfolgreichem Vorgehen gegen die französische 5.Armee. Die Frontstärken auch dieses Großverbandes waren gesunken. Die Infanterie-Kompanie ist durchschnittlich auf 70 Mann herunter.- Als die 1.Armee ihre Stellungen südlich der Marne räumt, macht die gesamte französische Armee kehrt und geht ab dem 6.September auf der gesamten Front zum Gegenangriff über.

Die 2.Armee, in der Front gefesselt, wird gezwungen, durch Zurückbiegen ihres rechten Flügels nach Norden auf Janvilliers ihren Bestand zu sichern. Dadurch vergrößert sich die inzwischen entstandene, nur schwach durch Kavallerie besetzte Lücke zur 1. Armee. Die Spitzen der Engländer erreichten und überschritten inzwischen die Marne nach Norden. Alles hing vom Erfolg oder Scheitern der 1.Armee am Ourcq ab.

Das Gelände vor der Front der 2.Armee war bestimmt durch den Pertit Morin, der sich hier als durchwatbarer, wenngleich lebhafter Bach darstellt, und die Sümpfe von Gond, die sich jedem Versuch des angriffweisen Vorgehens entgegenstellen. Diese sind nur auf den durchführenden Straßen zu überwinden. Der deutsche Angriff hatte bis auf die Höhe von Mendement südlich beider Abschnitte getragen. Nun waren die Höhen nördlich des Petit Morin und der Sümpfe von Gond zur Verteidigung zu nutzen. Daß dies schwierig wurde, ist in der moralischen und physischen Überanstrengung der abgehetzten deutschen Soldaten begründet gewesen.

 

Auf dem Weg zurück nach Meaux passieren wir auf der Nationalstraße Verdun-Paris die gewaltigen, beeindruckenden Flächen nördlich des Petit Morin. Schußweiten für die Artillerie werden hier geboten, welche die damaligen Feldgeschütze nicht ausnutzten. Aber auch die Weite des Blickes muß für die Truppenführer von ungewohntem Maßstab gewesen sein. Die Manöverfelder von Döberitz bei Potsdam, oder der "Senne" bei Paderborn, werden kaum ein adäquates Muster abgegeben haben.

 

2. Südlich der Marne: Bei der 2. Armee

Dem Vormarsch der Verbände nach Süden galt unsere zweite Exkusion. Auf den Spuren des 15.Reserve-Infanterie-Regiments (X.Reserve-Korps/Hannover) folgen wir von Dormans/ s[ur]. M[arne], hart ostwärts von Chateau-Thierry, dem Vormarsch über die Höhen nach Süden.

Der Feind wird in den Berichten der Teilnehmer als "in voller Flucht" beschrieben. Die Franzosen, so ein Fliegeroffizier, seien "von Paris abgedrängt"(Netz, Kp.-Fhr.8./ Res.15. 3.9.1914). Die Marnebrücken waren unbeschädigt. Bei Le Breuil gerieten die 15er "ins Gefecht gegen starke[r] französ[ische]. Nachhuten, die sich auf den Höhen südlich ... festgesetzt hatten". Überall am Wege lagen große gelbe schwere Geschosse.- Wir finden einige davon an einem Kriegerdenkmal wieder.

"Westlich Le Breuil wurde das [Regiment]. aus dem Deckung gewährenden Tale des Sourmelin-Baches entfaltet. Das Bat[ail]l[on]. griff südwestl[ich]. des Dorfes durch die mit dichtem Unterholz bestandenen Waldungen hindurch in das Gefecht des Reserve I[nfanterie]. R[egiments].77 ein, welches dort einen schwierigen Stand und bereits schwere Verluste hatte."

Die Franzosen wichen aus. Allerdings, "für eine unmittelbar anschließende Verfolgung erschienen die deutschen Truppen nach den sehr schweren Verlusten der anderen Brigade zu schwach" (Netz, Kp.Fhr. 8/ Res.15, 4.9.1914). Die Kompanie blieb am 5.September in Reserve bei Le Breuil. Am Abend bezog sie "enge Alarmquartiere" in Margny.

Auch die Garde Kavallerie hatte in dem "bergigen Waldgelände ... starke Verluste" gehabt. Ebenso die deutsche Artillerie durch "gut sitzendes französisches Schrapnellfeuer". Netz berichtet: "Unsere Reihen werden lichter und lichter, Ersatz muss nun bald heran kommen".

 

 

 

 

Es folgte ein "langer und beschwerlicher Marsch in durchsetztem Waldgelände".

Die Reserve-Regimenter 77 und 91 hatten sich am Vorabend "fast verblutet". "Das 2.Btl.Res.[Rgt.] 15 hat nach heutiger Gefechtstärke noch 280 Gewehre". Leutnant Müller schätzt für den 5.September die Gesamtstärke des Res.Inf.Rgt. 15 auf "keine 1000 Mann mehr" (zuvor 2.400). Auch an Fourage mangelte es. "Wenn wir mal 2 Tage Ruhe haben könnten und ordentlich Brot, dann wollten wir unsere Leute schon wieder mitreissen". Oft seien die Soldaten wegen Hitzeschlägen zusammengebrochen (Netz, ebd., 5.9.1914). Das Dorf Margny war von der Bevölkerung fast vollständig verlassen. Brot gab es trotzdem nicht. Deshalb wurden Gänse geschlachtet (Eikholt, Maschinen Gewehr Kompanie, Res.[Inf].Rgt. 15. 5.9.1914).

Am Sonntag, dem 6.September 1914, wird von Margny über Janvilliers auf La Mortiers und Le Thoult vorgegangen. Der Angriff führt über den Petit Morin in südlicher Richtung.

Über die riesige Ebene auf den Ort Le Bout du Val und Charleville, in Exerzierplatz ähnlicher Ordnung liefen die Bataillone überraschend in französisches Artilleriefeuer. An der Straße zwischen Charleville und Villeneuve kam der Angriff gegen Abend zum Stehen. Charleville war stark besetzt und es mangelte an Kräften, es zu nehmen (Regimentstagebuch, Res.Inf.Rgt. 15. 6.9.1914).

Kompanieführer Netz, 8./Res.Inf.Rgt. 15, erlebte bei Bout du Val, kurz vor Charleville, die vernichtende Wirkung des französischen Artilleriefeuers.

Er berichtet: "Der Franzose wollte uns mit schweren Geschützen aus dem Dorfe wieder hinausschießen" (Netz, ebd. 6.9.1914). Ein weiteres Zeugnis belegt, daß vor Charleville kaum noch eine Gefechtsleitung bestand. "Drückeberger" und Verwundete irrten hinter der Front umher. Der Angriff lag fest. "Offiziere waren zunächst nirgends zu finden". Im Divisionsstab herrschte Ratlosigkeit. Das Gefecht war für die Führung augenscheinlich "völlig überraschend gekommen". Schließlich wurde geschanzt. Die Kompanien verfügten durchschnittlich über nur "noch 75 Mann" (Wiehe, 6.9.1914). Charleville erwies sich als stark besetzt. "Gewaltsame Erkundungen" ergaben das. Im Nachhinein wurde bekannt, daß dort ein französischer Schießplatz gewesen war. Deshalb lagen Entfernungen und Hilfsziele den französischen Artillerie-Beobachtern vor.

Der Befehl zum Rückzug traf die Soldaten überraschend. Major Schotte berichtet in seiner dienstlichen Ausarbeitung über den Divisionsbefehl vom 7.9.1914, 5.30 Uhr, der den "allgemeinen Rückmarsch aus strategischen Gründen" anordnet habe (Schotte, Führer 2./Res.Rgt. 15). - Dabei ging es allerdings nicht um den Abbruch der "Marneschlacht", sondern die Frontkorrektur des rechten Flügels der 2.Armee.

 

3. Am Ourcq

Auf dem Rückweg von Meaux über Verdun, zurück in die Heimat, befinden wir uns unversehens auf den weiten Feldern westlich von Reims.-

 

Rückblende

Die Schlacht der 1. Armee am Ourcq, mit den aus Paris vordringenden Verbänden des Generals Gallieni, hatte sich aus dem Abwehrkampf des IV.Reserve-Korps entwickelt, das die tiefe rechte Flanke der bereits südlich der Marne stehenden Hauptkräfte der Armee zu sichern hatte. Während der linke Flügel der deutschen Kräfte nördlich Meaux an das Marnetal anschloß, verliefen die Stellungen im mittleren Teil über einen Höhenzug, der dem IV.Reserve-Korps weite Sicht und Schußfeld bot. Im nördlichen Teil, mündete die Aufstellung in ein schwer zu durchschreitendes Wald- und Sumpfgelände in dem der Gefechtsstand der 1.Armee geradezu verborgen war.

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Von hier - weitab des Schlachtfeldes - wurden die von Süden herangeführten aktiven Korps der 1.Armee zur Überflügelung der französischen Armee Galieni angesetzt.

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* Der Saab 93 war ein angenehmer "Gleiter". Mit begrenzter Leistung, aber guter Zuladung und einem übernervösen Verdeckmechanismus (Verdecksack). Ein Auto, das viele Ansätze zur Überarbeitung bietet.

 

Der Erfolg des zügig fortschreitenden Angriffs der 1. Armee, der Rückzug der französischen Verbände und die Krise in der rechten Mitte der deutschen Front an der Marne, führten fernab, im deutschen Hauptquartier in Luxemburg, zu einer Krise, die schließlich den Verlust des Ersten Weltkrieges für Deutschland zur Folge hatte. Der deutsche Generalstabschef entsandte den Leiter der Feindnachrichten-Abteilung, Oberstleutnant Hentsch, zum Oberkommando 1, um zu klären, wie die Aussichten für ein Meistern der Krise auf dem rechten Heeresflügel standen. Hier in Crouy, nicht auf einer Dorfstraße,

sondern in einem feudalen Schloß, wurde zwischen Hentsch, von Kluck und Kuhl der Rückzug der 1.Armee entschieden. Nicht nur die Nerven des Ober-Kommandos 1, sondern auch die Überanstrengung der Truppe ließen einen weiteren erfolgreichen Kampf nicht erwarten. In der Folge wurde die 1.Armee, hinter dem rechten Heeresflügel, als "geschlagen" beschrieben. Ein weiteres angriffsweises Vorgehen, und die im Raum Troyes geplante Einkesselung des französischen Heeres, waren bare Illusion.- Der Krieg, so wie in Berlin ursprünglich geplant, war verloren.

 

4. Resüme

Unser Blick auf den Weg von Dormans nach Charleville, und dann auf die Schlachtfelder am Ourcq, zeigt eine Landschaft, die sich mit allen Kräften jedem Eindringling entgegenstellt. Noch heute tragen die Dörfer dieses Bauernlandes die Spuren der Kämpfe des September 1914. Vereinzelt finden sich Massengräber französischer Soldaten; mehr oder weniger vergessen. Das ändert sich erst weit nördlich, kurz vor Reims, wo die sehr viel besser gepflegten Friedhöfe französischer, deutscher und amerikanischer Soldaten,

die in den Materialschlachten des "industrialisierten" Krieges fielen, deutlich machen, welch ungeheures Völkermorden den Ersten Weltkrieg kennzeichnet.

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