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Bernd F. Schulte

"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder"!

Zum Verfall der Sitten in der deutschen historischen Wissenschaft.


Bewußt ´vergessen´!

Die gerade veröffentlichte englische Fassung des Förster-Aufsatzes "Dreams and Nightmares: German Military Leadership and the Images of Future Warfare, 1871-1914", die dieser in Augsburg 1994 vorgestellt hatte, erwähnt meine Arbeiten zu diesen Themenschwerpunkt nicht mehr. Offensichtlich hat die Mommsen - Schule angenommen, aus Hamburg sei keine Antwort mehr zu erwarten. Bei der Literaturdurchsicht stellte sich heraus, daß seit 1985 eine konservative Renaissance stattgefunden hat. So wenig die Fischer-Schule inzwischen zu den originären Themen der vergangenen Kontroverse beigetragen hat, als umso bedeutender stellen sich die Anstrengungen der Düsseldorfer Gruppe heraus, die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges neu zu schreiben.

Diese Offensive lief spätestens mit Försters Besprechung meines Sammelbandes "Europäische Krise und Erster Weltkrieg" (1983) an, die ich jetzt, im November 1999, zur Kenntnis erhalte. Vor dem Hintergrund der bereits ausgewerteten übrigen Arbeiten ist es sinnlos, darauf inhaltlich einzugehen. Förster übernahm damals die Aufgabe, die im Band "Europäische Krise" entwickelte Kritik an der Polykratielehre seines Lehrers Wolfgang Mommsen zu entkräften. So "übersieht" er diese Arbeit in seiner Studie zur deutschen Heeresrüstung zwischen 1890 und 1913. Denn diese würde seine Darstellung entscheidend kompliziert haben, was er selbst einräumt. So ist diese seine Rezension symptomatisch für alles was folgte, insbesondere die brachialen Mittel in Diktion und "Stil".

Einleitung.

Angeregt durch Försters Ausführungen zur Rolle des jüngeren Moltke bei Kriegsausbruch 1914, erinnerte ich 1994 mein Gespräch mit Helmut Otto im Inter-Hotel Potsdam. Damals, 1984, hatte Otto, der mit mir zusammen die "Vorschrift für den Kampf in insurgierten Städten" veröffentlichen wollte, erwähnt im Bestand Forschungsanstalt des Heeres (vormals Reichs- und Heeresarchiv) habe er in den Druckfahnen des Reichsarchivwerkes zum Weltkrieg 1914/18 Dokumente aufgefunden, die bislang als verloren galten.

Die gerade veröffentlichte englische Fassung des Förster-Aufsatzes "Dreams and Nightmares: German Military Leadership and the Images of Future Warfare, 1871-1914"*, die dieser in Augsburg 1994 vorgestellt hatte, erwähnt meine Arbeiten zu diesen Themenschwerpunkt nicht mehr. Offensichtlich hat die Mommsen-Schule angenommen, aus Hamburg sei keine Antwort mehr zu erwarten. Bei der Literaturdurchsicht stellte sich heraus, daß seit 1985 eine konservative Renaissance stattgefunden hat. So wenig die Fischer-Schule inzwischen zu den originären Themen der vergangenen Kontroverse beigetragen hat, als umso bedeutender stellen sich die Anstrengungen der Düsseldorfer Gruppe heraus, die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges neu zu schreiben.

Bewußt mißverstanden

Diese Offensive lief spätestens mit Försters Besprechung (NPL, 1984, S. 443-447) meines Sammelbandes "Europäische Krise und Erster Weltkrieg" (1983) an, die ich jetzt, im November 1999, zur Kenntnis erhalte. Vor dem Hintergrund der bereits ausgewerteten übrigen Arbeiten (vgl. Dokumente) ist es sinnlos, darauf inhaltlich einzugehen. Förster übernahm damals die Aufgabe, die im Band "Europäische Krise" entwickelte Kritik an der Polykratielehre seines Lehrers Wolfgang Mommsen zu entkräften. So "übersieht" er diese Arbeit in seiner Studie zur deutschen Heeresrüstung zwischen 1890 und 1913. Denn diese würde seine Darstellung entscheidend kompliziert haben, was er selbst einräumt (vgl. S.446). So ist diese seine Rezension symptomatisch für alles was folgte, insbesondere die brachialen Mittel in Diktion und "Stil". Es wird bestätigt, was allen in der Wissenschaft bekannt ist: der rüde Umgangston dieser Schule. Beschimpfungen wie "zusammenhangloses Konglomerat", die Unterstellung "ins Persönliche" abzugleiten und die Inschutznahme "fachlich" inkompetenter Rezensenten zeigen, daß es hier um einen Vernichtungsfeldzug ging.

Dabei wurde bereits 1981 der Erforschung der militärischen Kriegsvorbereitung vor 1914 eine zentrale Rolle zugewiesen. Mit Stig Förster hat Mommsen einen seiner Schüler auf diese Fährte gesetzt. Mit welchen Methoden die Diskussion geführt werden soll, erschloß sich mir erst in den letzten Monaten bei der Durchsicht der inzwischen publizierten Arbeiten.

* M.F. Boenke, R.Chickering, St.Förster (Hrsg.): Anticipating Total War. The German and American Experiences 1971-1914, Cambridge University Press and German Historical Institute Washington 1999, S. 343-376.

DOKUMENTE.

I. Fall Afflerbach.

1. Tagung "80 Jahre Versailles" in Düsseldorf.

Ich war gerade zur Tagung der Düsseldorfer-Schule über "80 Jahre Versailles". Sie können sich vorstellen, daß dort eine eisige Stimmung herrschte. Der Vorfall "Afflerbach" war allen bekannt. A. kreiste um mich herum, bis ich ihm die Hand gab. Dann äußerte er sich sehr rüde. "Dumm", "Dummheit" etc. waren seine Ausdrücke, sodaß Herr Fritz Klein sich erschreckt zurückzog. Nun behauptet A., er habe nur die Transcription des Wenninger-Tagebuchs benutzt und zitiert, die ein General v.Xylander hergestellt habe. Nun, das stimmt insofern, als es zwei Transcriptions-V e r s u c h e  in den Akten gab, die aber an dem General v. Kiliani und "Unbekannt" festgemacht sind.  Angesichts dieser unzulänglichen Arbeitsgrundlage habe ich dann 1974 eine Transcription der Gabelsberger Originale (Tagebücher) anfertigen lassen, die ich zur Grundlage meiner erstmaligen und vollgültig wissenschaftlichen Dokumentation machte. Es erscheint mir nun, bevor ich letzte Recherchen angestellt habe, als noch verwerflicher als bisher, daß A. nur eine schlechte Transcription benutzt hat, und so tut, als ob er das Original in der Stenographie auch herangezogen hätte. Und das, obwohl seit Jahren eine Edition und umfänglich kommentierte Fassung des Wenniger-Tagebuchs existierte (seit 1979), er diese benutzte, aber nur in herabsetzender Weise zitiert.

Darüber hinaus umfaßt meine zweimal publizierte Dokumentation neben der einen Quelle des Tagebuchs, die Feldpostbriefe und offiziellen Berichte an den Kriegsminister (diese zitiert A. jedoch nach der älteren Aktenpublikation von Geiss). Vom Tagebuch Tappen, den Berichten des badischen Gesandten und des württembergischen MBV ganz zu schweigen.   Wenn das nicht Verfälschung wissenschaftlicher Arbeit ist (nach der Verfälschung der Riezler-Tagebücher 1984 nun 1994) "fresse ich einen...".

Die Tagung war erschreckend. Es hat sich alles nur zum weniger Guten entwickelt. Die Vortragenden der Düsseldorfer Gruppe (Krumeich, Dülffer, Afflerbach, etc.) duzen sich im Kollegium. Der Schnitt zum Zuhörerraum war beträchtlich. Herr Mommsen als Altmeister wenig höflich.

Der Altmeister: Wolfgang Mommsen

Das Ganze machte eher den Eindruck einer Redaktionskonferenz, mit z.T. dümmlicher Belehrung jüngerer Wissenschaftler.   Mich suchten sie zu schneiden, obwohl ich in der ersten Reihe, direkt vor dem Diskussionsleiter plaziert war. Meine Filmkamera lief z.T. mit. Gute Bilder vom alten Mommsen!

Wie sich die Regie der Altmeister immer noch darstellt, trat bei einem der beiden guten Vorträge zu Tage. Als klar war, daß die Ausführungen zu den Historikern in der 30iger/40iger Jahre zu Diskussionen führen könnten, ließ Mommsen den Chairman (Hirschfeld/Stuttgart) sofort den harmlosen französischen Vortrag zu Renouvin direkt im Anschluß halten und seinen eigenen zu Wilson und Versailles etc. (was aber auch auf die Historiker in den 30igern und 40igern hinausuferte, um den vorangegangenen Vortrag abzufangen) ebenso anzuschließen.

Daß auch nichts schiefgeht: Mommsen und Hirschfeld.

Ich habe Herrn Dülffer am Morgen, als er über die Friedensverträge (à la Handbuch) von Napoleon bis 1919 referierte, für die Aussage gedankt, daß die Kriegsvorbereitung 1931 begonnen habe. Ihn aber gefragt, ob er nicht 1921 gemeint haben könne, oder gar 1914, als Kluck und Kuhl Herrn Hentsch auf der Dorfstraße von Curcy en Ourq verabschiedeten, sich umdrehten und sie sich klar waren, daß sie ihre Rolle beim Verlust des Krieges, so wie er gedacht gewesen war, derart gestalten müßten, daß die Rechtsanwälte, Pfarrer, Lehrer und Bürger Deutschlands für einen zweiten Waffengang bereit wären. Dülffer redete sich heraus unter rüder Abwehr jeglicher Zielgerichtetheit.-

Bei der Historikerfrage nahm ich die o.e. Machinationen zum Anlaß, Herrn Corneliesen/ Düsseldorf für seinen Vortrag zu danken und ihm zu sagen, er habe sich wie Fritz Fischer 1959 und Bernd Sösemann "ein paar Jahre" später bei der HZ,  fühlen müssen, was er aber offensichtlich nicht verstand.

Afflerbach-Freund Krumeich und der
"Hecht im Karpfenteich" - Corneliesen.

Ich jedenfalls würde an einem Aufsatz zum "Fall Erdmann" arbeiten und hätte in den Archiven für die Historiker im Dritten Reich überraschende Funde zu deren Verknüpfung mit dem Regime gemacht. Mein bisheriges Ergebnis sei, und das wäre möglicherweise ja das 5. oder 6. Kapitel seiner (des Vortragenden) Arbeit, daß die Historiker wie Göhring, Schüssler und Zechlin und natürlich Ritter, ich wies auf Schwabe hin, der anwesend war und erschrak, sehr gut im Geschäft waren und gerade diejenigen, die vor 45 oben waren, gegen Fischer nach 1960 das Wort führten.

Aus französischer Sicht: "Na, na, diese Deutschen".

Zum Schluß kam ich noch einmal zu dem Vortag über Renouvin und Versailles auf meinen Eindruck vor 20 Jahren bei der Lektüre des Ritter-Nachlasses zurück, in dem ein Schreiben Ritters, mit dem Ersuchen um die Unterstützung Renouvins gegen Fischer, eher mir damals unverständlich zurückhaltend beantwortet schien. Das entsprach dem Vortrag, der R. 1919 - 1969 als zwischen der deutschen und der französischen Position stehend darstellte. Anschließen mußte ich, "zu meinem Leidwesen", wie ich Herrn Schwabe bekundete, daß Ritter in keiner Weise als durchgängiger Gegner des III.Reichs zu sehen sei. Ich hätte neue Akten zur Assitentur des SA-Mannes Petri (später Münster/damals Köln) entdeckt, die dies unterstützten.- Die Augen der Franzosen am table blinzelten mir daraufhin zu...

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Die "zutreffende" Sicht.

 

2. Anmerkung zum Fall Afflerbach in "Extra-Blatt" 3/1999.

* Einleitung: S.127 "Wenninger und Falkenhayn", S.133 "Kritik an Moltkes Führung". Dokumente: S.137 Tagebuch W., 29.7.1914; S.139 dto., 30./31.7.1914;S.141 dto., 1.8.1914; S.142 dto., 2.8.1914; S.143 dto., Auszug, 4.-11.8.1914; S.145 dto., 12.8.1914; S.146 dto., 16.8.1914; S.148 dto., Auszug, 17./18.8.1914; S.151 dto., 19./20.8.1914; S.155 dto, 21.8.1914; S.156 dto., Auszug, 22.8.1914; S.158 dto., Auszug, 30./31.8.1914; S.161 dto., 31.8.1914; S.164 dto., 3.9.1914; S.167 dto., 6.9.1914; S.169 dto., 7.9.1914; S.172 dto., 10.9.1914; S.173 dto., 13.9.1914; S.174 dto., Auszüge, 14./15.9.1914. In dieser Dokumentation wurden die Berichte Wenningers an den Bayerischen Kriegsminister, erstmals in der Forschung sein Tagebuch (von 19 Eintragungen 5 im Auszug), ebenfalls seine Feldpostbriefe (in Auszügen) und das Tagebuch des Chefs der Operationsabteilung im Großen Generalstab, Oberst Gerhard Tappen (in Auszügen der Abschrift), verarbeitet. Weiter wurde diese Dokumentation in erweiterter Fassung veröffentlicht (Der Blitzkrieg, der nicht stattfand, in: Bernd F.Schulte, Europäische Krise und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs, 1871-1914, Frankfurt-Bern 1983). Das Tagebuch Wenninger wurde vom Verfasser und Herrn Dr. Heyl (Archivdirektor des Kriegsarchiv München) 1973/75 recherchiert und über die damals hochbetagte Tochter des Generals erschlossen. Dann im Auftrag des Verfassers aus der Gabelsberger Stenographie aufwendig transscribiert. Und dies, trotz während Autofahrten verzitterter Passagen, wie in der Einleitung betont wird. Wenn Afflerbach also "Lesefehler" dem Verfasser nachzuweisen sucht, dann belegt dies zusätzlich Afflerbachs Tendenzen. Am 23.2. ds. hat der Verfasser im Kriegsarchiv München die Wenninger-Deponie noch einmal durchgesehen. Die Übertragung der Tagebuchtexte des Verfassers liegt nicht in den Akten. Weder unter "HS" noch in der Akte "Schriftverkehr Schulte". Der Leiter des MGFA Potsdam, Erich Volkmann, verweist zu den Unregelmäßigkeiten bei Afflerbach auf diesen als ausschließlich Verantwortlichen. Mündlich meinte Herr Volkmann, das Buch Afflerbachs sei vor seiner Zeit im MGFA Freiburg verhandelt worden. Wilhelm Deist dagegen, Volkmanns Vorgänger, behauptet, das Werk wäre erst nach seiner Zeit erschienen, um damit zu sagen, er habe nichts mit der Sache zu tun gehabt. Pikanterweise hatte Wilhelm Deist 1978/79 die o.e. Dokumentation für die MGM redigiert und um einiges gekürzt (vgl. dazu: Bernd F. Schulte, Rückzug bis zum Rhein, in: Extra-Blatt 1997. Hier unter "Archiv" nachzulesen).

 

3. Hintergrund.

a) Bernd F.Schulte an Wilhelm Deist, 5.2.1999.

Gern hätte ich mit Ihnen persönlich den Fall Afflerbach besprochen, der bei mir nunmehr zur Entscheidung liegt. Herr Afflerbach, den Sie der Schriftenreihe des MGFA  publizierten, hat inzwischen mehrfach behauptet, er habe das Wenniger-Tagebuch als erster benutzt. Er behandelt meine - Ihnen sehr intim bekannten Arbeiten - unkorrekt.

Ich stehe vor der Entscheidung, diesen Fall so oder so zu behandeln.

Ich darf Sie bitten, dazu kurz Stellung zu nehmen. Da dieser Fall kein Einzelfall ist, und das MGFA wiederholt derartige unwissenschaftliche Methoden unterstützt hat, bin ich - schon aus wissenschaftsgeschichtlichen Motiven - auch an der Genesis derartiger Verhaltensformen interessiert.

* Deist rief elektrisiert sofort zurück, und behauptete, der Afflerbach sei n a c h seiner Zeit als Amtschef gewesen. Volkmann, der jetzige Amtschef behauptete kurz darauf das Gegenteil. Und im Oktober in Berlin wollte Deist überhaupt nicht mehr antworten.

b) Bernd F. Schulte an Hans-Erich Volkmann, 10.2.1999.

Wie soeben telefonisch erörtert, finde ich zu meinem Erstaunen in der Dissertation der Schriften-Reihe Ihres Hauses (Bd.42 Afflerbach, Falkenhayn und Michalka, Der Erste Weltkrieg) folgende Unregelmäßigkeiten, die ich Sie bitte aufzuklären.

1. Afflerbach/Falkenhayn benutzt meine Dokumentation in einem der originären Kapitel seiner Untersuchung. Dabei bemüht er sich, meine grundlegende Dokumentation "Neue Dokumente zu Kriegsausbruch und Kriegsverlauf 1914" (MGM 1/79) durch seine ausgewählte Zitierweise so darzustellen, als sei diese Arbeit fehlerhaft, keineswegs die Primärveröffentlichung, nur in Auszügen aus dem Material schöpfend etc. Dies trifft nicht zu. Vielmehr ist richtig, daß meine Untersuchung die Quelle aufwendig erschlossen, das Tagebuch Wenninger aus der Gabelsberger Stenographie übersetzt, und (im Rahmen des von der MGM zur Verfügung gestellten Raumes) umfassend der Forschung erstmals zugänglich gemacht hat.

Wenn Herr Afflerbach dies in seiner Dissertation bewußt (wie der Eindruck entstehen muß) verschleiert, dann handelt es sich gerade vor dem Hintergrund der verbissenen Diskussion um die Rolle des Kaiserreichs vor dem Ersten Weltkrieg - um eine schwere Verletzung der Grundprinzipien wissenschaftlichen Arbeitens, die in jedem Proseminar vermittelt wurden (und, wie ich annehme, auch heute noch vermittelt werden).

Ich gehe hier bewußt nicht auf juristische Folgerungen aus diesem Vorgang ein, muß jedoch betonen, daß

2. der Aufsatz Afflerbachs in dem Sammelband "Der Erste Weltkrieg" zur "militärischen Planung" im Wiederholungsfall ebenso vorgeht. Es wird die o.a. Wenninger-Quelle wiederum durchgängig in der HS-Signatur des KA-München zitiert. Ich darf Sie bitten, auch dazu als verantwortlicher Historiker des MGFA aufklärend Stellung zu nehmen.

3. In dem o.a. Band des Herausgebers Michalka zum Ersten Weltkrieg beschäftigt sich Dieter Storz mit "Der Schlacht der Zukunft'. Hier wird meine Position, die ich in meiner Arbeit zur deutschen Armee (1977) entwickelt habe, und die in weiteren Aufsätzen in meinem Band "Europäische Krise und Erster Weltkrieg" 1983 eingehend untermauert wurde, grob entstellt und verzeichnet. Aber es geht hier nicht um dieses Faktum, sondern um die Unterdrückung einer erstmalig von mir vorgestellten und breit erläuterten Quelle. Der Befehl  Wilhelms II. zur Burentaktik aus dem Jahre 1902 wird von Storz unter der Signatur des KA-München, Bestand Kriegsministerium, zitiert. Ich habe diesen im Bestand Generalstab bereits 1973 entdeckt, 1977 in der Untersuchung zur deutschen Arrmee erstmals publiziert und 1983 in dem o.e. Sammelband breit erläutert. 1994 sollte demnach Herr Storz über die Forschungslage im Bilde gewesen sein. Ich darf Sie bitten, auch hierzu eingehend Stellung zu nehmen. Das MGFA war wiederum bei diesem Projekt federführend, wie das Vorwort des Amtschefs, Brigade-General Roth, belegt.

Ich bedauere, Sie mit diesen Fragen belästigen zu müssen, muß allerdings unterstreichen, daß ich derartige Verfahrensweisen grundsätzlich verfolgen werde. Die Lektüre des Michalka-Bandes ist jedenfalls noch nicht abgeschlossen.

c) Sekretariat Bernd F.Schulte an Holger Afflerbach, 26.2.1999.

Im Auftrage von Herrn Dr. Bernd Schulte übersenden wir Ihnen anliegende Unterlagen* zur Kenntnisnahme.

* Id est: Forum Film "Extra-Blatt", 3/1999.

d) Bernd F.Schulte an Ulf Pallme Koenig, 4.5.1999.

In seiner Dissertation zu "Falkenhayn" zitiert der o.e. Dr. Afflerbach an entscheidenden Punkten meine Arbeiten aus den Papieren des bayerischen Generals von Wenninger vorsätzlich falsch, verkleinernd und unrichtig.   Da die Arbeit von Herrn Afflerbach an der Universität Düsseldorf durch Herrn Prof.Wolfgang Mommsen betreut, und Gegenstand eines Promotionsverfahrens war, bringe ich Ihnen diesen Sachverhalt zwecks weiterer Veranlassung zur Kenntnis.  Ich darf darauf hinweisen, daß ich Ihnen im Vorfeld einer endgültigen Klärung dieses Vorfalls ausdrücklich Gelegenheit zur Prüfung des Sachverhalts geben will.

Ich weise auf meine Stellungnahme unter www.forumfilm.de ("Daneben, Drumherum, Dagegen. Gelenkte Geschichtsschreibung zur Fischer- Kontroverse", in: Extra-Blatt 3/1999) hin. 

e) Bernd F.Schulte an Ulf Pallme Koenig, 19.5.1999.

Wir haben wiederholt in der o.e. Sache Kontakt zu Ihnen aufgenommen. Leider sind wir bis heute ohne Antwort geblieben. Wir bitten dringend bis zum  2 7 . 5 . d s .  um eine Reaktion. Nach diesem Termin  werden wir die Sache an unsere Anwälte abgeben.

f) Bernd F.Schulte an rektor@uni-duesseldorf; birley@phil-fak.uni-duesseldorf; vacano@phil-fak.uni-duesseldorf; wilhardt@verwaltung.uni-duesseldorf, 19.Mai 1999.

Betr.: PD Dr.Afflerbach/Lehrstuhlvertreter Prof.Krumeich. Falschzitate (mit System) in Biographie "Falkenhayn" und Aufsatz A.´s bei Michalka: Erster Weltkrieg, 17.5.99.

Wir haben wiederholt in der o.e. Sache Kontakt zu Ihnen aufgenommen. Leider sind wir bis heute ohne Antwort geblieben. Wir bitten dringend bis zum  2 7 . 5 . d s .  um eine Reaktion. Nach diesem Termin  werden wir die Sache an unsere Anwälte abgeben.

g) Bernd F.Schulte an Wolfgang Mommsen, 11.5.1999.

In der Anlage finden Sie bitte mein Schreiben in der o.e. Sache an den Kanzler der UNI-Düsseldorf. Sie werden bei www.forumfilm.de den Aufsatz über die Fischer - Kontroverse finden und darin meine Richtigstellung des Sachverhalts. Ich würde mich freuen, Sie sehen zu können.

h) Wolfgang Mommsen an Bernd F.Schulte, 27.5.1999.

Ich sehe nicht ganz, was Ihre Eingabe an den Kanzler der Universität bezwecken soll. Wenn überhaupt, dann wäre der Dekan die richtige Adresse gewesen. Aber wollen Sie, daß wegen der angeblich bewußt unterlassenen Zitierung Ihrer Publikation gesetzt den Fall, Ihre Mitteilungen entsprechen den Tatsachen - Herr Priv. Doz. Dr. Afflerbach die Promotionsrechte wieder entzogen werden sollen? Oder was soll das überhaupt? Nehmen Sie die Sache, wie ich Ihnen schon damals sagte, wenn Sie dies für nötig halten, mit ihm selbst auf.

i) Bernd F.Schulte an Wolfgang Mommsen, 31.5.1999.

Um des guten Tones willen habe ich Sie in Kenntnis setzen wollen über Vorgänge, die Sie letztlich selbst zu verantworten haben.

Die Angelegenheit Afflerbach, und ggf. weitere, werden aufgeklärt. Möglicherweise mit Ihrer Hilfe. Die an der Uni-Duesseldorf zuständigen Stellen sind zuverlässig mit der Sache betraut.

j) Jochem Küppes an Bernd F.Schulte, 16.6.1999.

Dissertation zu 'Falkenhayn - Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich" von Herrn Holger Afflerbach (erschienen ün Oldenbourg Verlag München 1994) Ihre Schreiben an den Kanzler, Herrn Ulf Pallme König, vom 03. 05. und 17.05.1999

Sehr geehrter Herr Dr. Schulte,

zuständigkeitshalber wurden mir Ihre Schreiben vom 03.05. und 17.05.1999 vom Kanzler der Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf zugeleitet. Ich habe die Sache prüfen lassen und die Überprüfung Ihrer Angaben hat ergeben, daß Ihre Behauptung, daß Herr Dr. Afflerbach. "an entscheidenden Punkten Ihre Arbeiten aus den Papieren des bayerischen Generals von Wenninger vorsätzlich falsch, verkleinend und unrichtig" zitiert habe, unzutreffend ist. Sie werden aufgefordert, diese Behauptung fortan zu unterlassen.

Mit freundlichen Grüßen

i.V.
(Univ.-Prof. . Dr. Jochem Küppers)
Prodekan

Kopie: Herrn Priv.-Doz. Dr. Afflerbach zur Kenntnis

k) Bernd F.Schulte an Dekanat der Universität Düsseldorf, 22.6.1999.

das von Ihnen angekündigte Schreiben ist hier nicht angekommen. Ich habe mir den 15.7.1999 als letztes Eingangsdatum Ihre Antwort notiert. Am 16.7. wird der Vorgang an unsere Anwälte abgegeben.

4. Stellungnahme zum Fall: Afflerbach.

A. Gegenstand.

1. Bernd F.Schulte: Neue Dokumente zu Kriegsausbruch und Kriegsverlauf 1914, In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 25, 1/79, S.123-185.

2. Ders.: Der Blitzkrieg der nicht stattfand. Neue Dokumente zu Kriegsausbruch und Kriegsverlauf 1914, in: Europäische Krise und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs, 1871-1914, Frankfurt-Bern 1983, S.187-285.

3. Holger Afflerbach: Falkenhayn. Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich. Schriftenreihe des Milltärgeschichtlichen Forschungsamtes. München 1994.  

B. Vorwurf:    

a) S.61 [Afflerbach]: Schulte, Bernd Felix: Neue Dokumente ... Bis auf Namen richtig zitiert.

b) S.79: Anmerkung 135: Erwähnt wird die "Besprechung mit Generalstabschef Moltke im Juni 1909", die bei Schulte "Europäische Krise" S.23-28 (1983) breit vorgestellt wird, nicht.

c) S.114: Für die "Kompetenzkämpfe zwischen Kriegsminister und Generalstab ... im August und September 1914" werden die o.a. Publikationen ("Europäische Krise" und "Neue Dokumente") nicht genannt, obwohl diese erstmals dieses Faktum ausgebreitet und der Forschung zur Verfügung gestellt haben:   [Bezug: "Europ.Krise"]: S.175f., 177f., 205, 211, 218, 220 223f., 227f., 231f., 234, 241 ("Moltke sei sehr ungnädig gegen ihn gestimmt"), 246, 248 ("Moltke habe es verstanden, ihn mehr und mehr auszuschalten"), 250, 253 ("Falkenhayn meinte, es sei eine völlig neue Operation eingeleitet worden"), 255 ("tiefgehende Verstimmungen zwischen M.und F."), 259, 264 ("wie F. Immer wieder behauptet"), 265, 269 ("Der Kriegsminister sprach es unverhohlen aus"), 270, 276 (F. war beim Kaiser"), 276f. ("von F. die schöpferischen Operationsgedanken empfangen"),  278, 280f. ("F., ein prächtiger Mann").  

d) S.115ff. [Zabem-Affaire]: "Europ.Krise" S.111-121 wird nicht erwähnt.  

e) S.147 Anm.1: Bernd F.Schulte: Die Verfälschung der Riezler-Tagebücher. Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte der 50iger und 60iger Jahre, Frankfurt-Bern 1985, wird nicht erwähnt.  

f) S.152 Anm.19: Schulte nicht erwähnt, statt dessen, Wenninger Tagebuch, Bayerisches Hauptstaatsarchiv-Kriegsarchiv (BHSTA-KA) HS 2546" (Transcription aus den Jahren 1919ff, (überholt und lückenhaft). Soll nach A. von dem bayerischen General von Xylander gemacht sein. Es ist (auch Im Kriegsarchiv München) unbekannt woher A. das nimmt.  

g) S.154 Anm. 33: Bericht Wenningers an den Bayerischen Kriegsminister, 29.7.1914. Zitiert nach Geiss. Wird bei Schulte In der Anmerkung zu dem Aktenstück erwähnt, das dort im Auszug abgedruckt ist. Die Dokumentation Geiss stammt aus dem Jahre 1962/63, die Edition von Schulte aus dem Jahre 1979.  

h) S.156 Anm.44 Schulte nicht genannt, S.205. Stattdessen Lutz.  

i) S. 159 Anm. 54: Wieder wie unter "g" nach Geiss zitiert. Bericht vom 29.7.1914. Nicht nach Schulte.  

j) S.160 Anm.61: Zitiert nach BHSTA-KA, HS 2546. Nicht nach Schulte, S.207. A. schreibt verfälschend: '" T e i l e  des Wenninger-Tagebuchs bei Felix Schulte (Vorname falsch! Tut so, als ob eine weitere Publikation), Dokumente S.138f. In "Europ.KrIse" bereits vorgeführt (aber nicht durch A. erwähnt).  

k) S.161 [und Anm.61] Im Text: Breit Wenningers Darstellung übernommen. Ohne Erwähnung von Schulte. Statt dessen: "Wenninger Tagebuch, 31.7.1914. A. versucht Schulte Fehler nachzuweisen. Ohne Hinweis auf die neueste Transcription des Tagebuchs bei Schulte. Gleichfalls wird die Darlegung der Julikrise (S.175-181) in der Einleitung bei Schulte übergangen.  

l) S.161 Anm.73: Hier Schulte, Dokumente, S.140 erwähnt.  

m) S.169 Anm. 94: Wieder nach Geiss zitiert.  

n) S.175 Anm.129. Nur Wenninger-Tagebuch BHSTA-KA, HS 2646. Nicht Schulte, S.218, S.220. Falsch zitiert: "Es komme vor allem darauf an, die Begeisterung auszunutzen und die Ströme von Kriegsfreiwilligen zu sammeln und festzuhalten, bevor die Begeisterung verraucht". Stattdessen im Text S.175: "Der Enthusiasmus müsse genutzt werden, bevor er verraucht sei".  

o) S.179 Anm. 151: Zum Versagen Moltkes wird Schulte nicht zitiert, obwohl dieser Punkt in Einleitung wie Dokumentation erstmals In der Forschung und breit hervortritt (vgl. "e").  

p) S.180 Anm. 165: Wieder BHSTA-KA, HS 2546 zitiert bei Schulte In der Einleitung die Kapitel: "Wenninger und Falkenhayn, S.175ff., vgl. Anm. 24, S.178, S.211 (Tagebuch Wenninger) vollständig. In der Einleitung: "Wenninger und Falkenhayn", S.175ff.) nicht erwähnt.  

q) S.181 Anm.158: Nicht erwähnt Schulte (Einleitung) Kapitel "Wenninger und Falkenhayn", S.175 Anm. 160: Tagebuch Wenninger, 17.8. nicht zitiert, S.223. Anm. 161: Wenninger  Tagebuch, BHSTA-KA, HS 2546, nicht erwähnt Schulte, S.234, S.1 175ff. und 190ff. ("Die Kritik an Moltkes Führung"). Anm.162: Wenninger an bayerischen Kriegsminister, 14.9.1914. Zitiert nach: BHSTA-KA, Mkr 1829. Bei Schulte erstmals der Forschung zugänglich gemacht, da seit 1919 verloren unter Mkr 1766. Anm.163: "Wenningers Tagebuch ist besonders aufschlußreich ... wachsende Kritik an Moltke". Nur erwähnt: "siehe auch die Erläuterungen [sic] von Schulte, Dokumente". Ohne Seitenangabe, ohne Angabe der Kapitel der Einleitung, die sich hierauf beziehen. Vgl. "Europäische Krise", S.175-180, S.180, S.187, S.190-192. Sowie Abschnitt "e". Anm. 164: Wenninger Tagebuch, 30.8.1914. BHSTA-KA, HS 2546. Schulte nicht erwähnt., S.242, 244.  

r) Anm.167: Wenninger an bayerischen Kriegsminister, 14.9.1914. BHSTA-KA, Mkr 1829/1. Nicht erwähnt: Schulte, S.227.  

s) Anm.178: Wenninger, 6.9.ff. Beschwerden über Moltke, Wenninger Tagebuch, 6.9.1914,16.9.14, nur aus BHSTA KA, HS 2546 zitiert. Schulte erwähnt: "Siehe auch die Auszüge bei Schulte, Dokumente (ohne Angabe der Seiten). Tatsächlich: "Tagebuch Wenninger, 6.9.1914, S.259ff. Darüber hinaus aus Feldpostbrief, 6.9.1914, S.260. Weiter Schulte, Bericht an Kriegsminister, 6.9.1914, S.262 und Tagebuch Wenninger, 7.9.1914, S.264, 6.9. Tagebuch Wenninger, 16.9.1914, S.279f. und Feldpostbrief, 10.10.1914, S.281.  

t) Anm.197., Bericht Wenningers an bayerischen Kriegsminister, 16.9.1914 nach BHSTA-KA, Mkr 1829/1. Im T e x t zitiert nur Wenninger Tagebuch, 21.9.1914, BHSTA-KA, HS 2546. Nicht zitiert: Schulte, S.280, Tagebuch Wenninger  20./21.9.1914.  

u) Anm. 409: Wenninger Tagebuch, 31.8.1914. Zitiert nach Schulte, Dokumente, S.161. Einzige bisher exakte Anmerkung !  

v) Anm. 410: Zitiert nach Wenninger Tagebuch, 21.9.1914, BHSTA-KA, HS 2546 nicht: nach Schulte, "Europ.Krise", S.280.  

w) Anm.416: Schulte: Deutsche Armee nicht erwähnt (aber im Lit.Verz.). Tagebuch Wenninger, 31.8.1914. Nicht, nach Schulte, Europ.Krise, S.248/49.

Als Steinbruch benutzt

x) Anm. 423: Wenninger Tagebuch,15.9.1914. Hier Schulte zum 2.Mal richtig zitiert: "Schulte, Dokumente, S.174f.".

y) S.245,  Anm. 460: Hier Wenninger Tagebuch, 21.8.1914, in: Schulte, Dokumente, S.155. 3. richtiges Zitat.    

C Ergebnis:

Handschriften-Sammlung HS 2543. Tagebuch des bayerischen Militärbevollmächtigten im Großen Hauptquartier, General [von] Wenninger. Tagebuch-Original in Gabelsberger Kurzschrift (nach A.: "Falkenhayn").   - Dieses Original wurde von A. nicht benutzt. Warum wird es dennoch hier aufgeführt? Es wird der Eindruck der Benutzung  erweckt. - In meiner Dokumentation (Einleitung, "Europ.Krise", S.168) wird die Quellenbasis (Quellenerschließung, Komposition der Dokumentation aus verschiedenen Quellenebenen) umfassend erläutert. Gerade hinsichtlich der Quellenbasis. Hier verfälscht A. seine Ausgangsbasis, indem er Schulte ignoriert.  

1) die erstmalige Edition der offiziellen Berichte Wenningers von den letzten Tagen der Julikrise 1914 (KA  München, Mkr 1765), im Großen Hauptquartier in Koblenz und Luxemburg, bis zum 22.10.1914 ("Europ.Krise"). A. zitiert nach Geiss, der zudem bei Schulte, Europ.Krise, S.176 Anm.26 angeführt wird.  

2) die neu aufgefundene und 1978/79 vollständig transcribierte Darstellung der Wenninger Tagebücher in Gabelsberger Stenographie (S.168), die Schulte erstmals der Forschung erschloß. A. erweckt hier den Eindruck, das Original als erster benutzt zu haben.  

3) erwähnt A. mit keinem Wort die seine Studie in den genuinen Teilen weitgehend vorwegnehmende Darstellung Schultes, insbesondere des Gegensatzes zwischen Moltke und Falkenhayn seit Mitte August 1914 (Einleitung Schulte, "Europ.Krise", S.175-180,187-192).  

4) das Tagebuch Wenninger, und die offiziellen Berichte, werden bei Schulte zudem durch Feldpostbriefe, die Tagebücher Tappen, und Kronprinz Rupprecht, die Berichte des badischen Gesandten im Großen Hauptquartier und die des württembergischen Militärbevollmächtigten von Grävenitz ebendort, ergänzt. Dies verschweigt A. und sucht zusätzlich durch diminuitives Zitieren die Dokumentationen Schultes in den MGM 1979 und dem Sammelband "Europäische Krise und Erster Weltkrieg, 1983" herabzusetzen.

___________________________________________________________________________

II. Fall Stig Förster.

A. Ein Briefwechsel.

1. Stig Förster an Bernd F.Schulte, 26.11.1998.

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2. Bernd F.Schulte an Stig Förster, 27.11.1998.

Zunächst danke ich Ihnen für Ihren o.a. erfrischend spontanen Brief. Ich hätte Ihnen in diesen Tagen auch geschrieben, da ich seit Jahren ein Exemplar Ihres Buches über den „doppelten Militärismus“ suche.- Ich bin nach meinem Ausscheiden aus der Bw-Hochschule 1985 bei Film- und Fernsehen weitgehend als Produzent mit automobilgeschichtlichen und zeitgeschichtlich-historischen Themen beschäftigt. Seit etwa 1994 habe ich unsere Fragen neu aufgenommen, da es mir angesichts der Archivlage wünschenswert erscheint, die Forschungs-Ergebnisse der letzten 37 Jahre nicht kampflos im Orkus verschwinden zu lassen.-

Mein Blick auf die wissenschaftliche Entwicklung seit 1985 hat in unserer Frage des Kriegsausbruchs 1914 wenig Neues zutage gefördert. Gerade komme ich aus Freiburg zurück, wo ich mit John Röhl über die letzten 10 Jahre sprach (wir hatten uns bei Arbeiten zu meinem Film über Fritz Fischer/1988 zuletzt gesehen) und wir auch zu diesem Ergebnis kamen. Sie werden aus meinen Publikationen in „Extra-´Blatt´“ ersehen haben, daß wir uns fundamental in unserer Blickrichtung unterscheiden. Viele Ihrer Aussagen vom 26. November unterstütze ich gleichwohl. Doch im Kern bleibt aus meiner Sicht Ihre Herkunft aus der Gerhard Ritter- W.J.Mommsen-Linie leitend, die auch die merkwürdige Brechung Ihrer Thesen bedingt. Meine Ausführungen zu den Lyncker-Materialien haben Sie insofern unzutreffend verstanden, als Ihr Vortrag in Augsburg für mich die Strategie verfolgt, die deutsche Politik durch die von Ihnen gesehene verbrecherische Kriegsbereitschaft des Generalstabs zu exculpieren. Das halte ich für eine kunstvolle Interpretation. Wir werden darüber lange diskutieren, denn ich beurteile auch die Quellenlage frontal unterschiedlich zu Ihnen. Mich bestürzt immer wieder die Methode, dem wissenschaftlichen Kontrahenten eine überspitzte These zu unterstellen, um ihm dann mit der Behauptung „wilder Polemik“ die Satisfaktinsfähigkeit abzusprechen. Grundvoraussetzung für eine fruchtbare Diskussion muß gegenseitige Fairness sein. Dann finden Sie in mir einen interessanten Partner.

Ihre Frage nach Kriegsbereitschaft und Kriegsauslösung beschäftigt auch mich natürlich zentral. Doch keineswegs aus der Prämisse, eines fehlenden Kriegszieles und Gesamtkriegsplanes oder mangelhaften fachmilitärischen Kalküls. Auch halte ich Ihre These, der Generalstab (oder wer auch immer) habe einen „langen Krieg“ erwartet, für einen Irrweg. Gehen Sie hier nicht etwa doch der Forschung des Reichsarchivs zwischen 1919 und 1946 „auf den Leim“? Schon die Auswahl der Quellen im Bestand „Forschungsanstalt“ atmet doch Apologie. Daß einem Entschluß zum Weltkrieg grundlegende Erwägungen vorausgehen, ist selbstverständlich. Daß militärischen Fachleute Ihre Sicht dem verantwortlichen Politiker immer wieder vorlegen, gleichfalls. Daraus Kriegsbesessenheit u.ä. moralische Vorwürfe ex post zu konstruieren, scheint mir wenig sinnvoll.

Sie sehen, es läuft alles auf die Frage hinaus, ob Interdependenz der Ämter oder Polykratie in der Führungsspitze des Deutschen Reiches vor 1914 herrschten. Wenn Sie die Dinge als „viel schlimmer“ bezeichnen, führen Sie eine Qualität in die Diskussion ein, die zuvor Ritter, Erdmann, Schieder, und, subcutan auch Mommsen und Wehler, als leitend akzeptiert haben. Die innerhalb der Zunft geführten Gespräche zum Riezler-Tagebuch sprechen Bände.-

Die Lektüre von Afflerbachs „Falkenhayn“ (oder auch Forbachs „Kiderlen“) zeigt mir natürlich auch wohlbekannte kriegerische Tendenzen in der Armee. Denken Sie nur an meine Wenniger-Dokumentation von 1979/83, die A. merkwürdig benutzt! Bitte verstehen Sie mich richtig: verkappte Apologie und selektive Analyse helfen meiner Ansicht nach nicht weiter. Sie werden verstehen, daß ich in besonderem Maße aufmerksam bin für die Formen des wissenschaftlichen Umganges. Weder die Reaktionen Wolfgang Mommsens in seinen jüngeren Schriften, noch die wissenschaftliche Lauterkeit seiner Schule nahestehender Historiker in der Benutzung kontroverser wissenschaftlicher Literatur, scheinen mir dazu angetan, mir den Vorwurf der Polemik „hinter den Spiegel zu stecken“.

Gleichwohl sehe auch ich - wie oben erwähnt - die beklagenswerten Verfahren wissenschaftlichen Umganges in der Vergangenheit, die allerdings nicht auf die 60iger Jahre eingegrenzt werden können. Dazu werde ich demnächst eine aufschlußreiche Dokumentation vorlegen. Wir sind uns natürlich einig darin, daß in guter Fischerscher Manier die Suche nach dem Schlüsseldokument nicht unser Weg sein kann. Doch „fortune“ muß auch der Historiker dann und wann haben dürfen.

Sie sehen, wir haben eine Menge Arbeit vor uns. Mich würde es freuen, wenn wir uns jetzt „Schulter an Schulter“, im Sinne Ihres vorletzten Satzes, an die Arbeit machen würden.

P.S.: Ich schließe gerade einen Aufsatz zum Thema der „Krisenkonferenzen“ im Kaiserreich ab, der sich mit unseren Fragen beschäftigt.

* Eine Antwort erfolgte nicht. In Berlin kam es zu einem Händedruck.

B. Zwei Wortmeldungen.

Stig Foerster: Alter und neuer Militarismus im Kaiserreich. Heeresrüstungspolitik und Disposition zum Kriege zwischen Status-quo-Sicherung und imperialistischer Expansion, 1890-1913, in: Jost Dülffer/Karl Holl(Hg.): Bereit zum Krieg. Kriegsmentalität im wilhelminischen Deutschland, 1890-1914, Göttingen 1986, S. 122-145.

Förster macht es uns nicht einfach. Seine Dissertation zum "Doppelten Militarismus" ist in Bibliotheken kaum zu finden und inzwischen vergriffen. Nicht ein Exemplar ist - selbst beim Verlag Steiner - vorhanden, denn der Vertrieb wurde an von Zabern/Stuttgart weitergereicht und dort ist Gar nichts mehr zu holen. So findet der "Sucher in der Wüste" erst in dem Sammelbändchen von Dülffer/Holl einen Hinweis auf den Duktus der größeren Arbeit, die offensichtlich um die deutsche Rüstungspolitik bis 1913(sic!), und in diesem Zusammenhang, die Bedeutung des inneren Einsatzes der Armee für die zeitweise retardierte Form deutscher Heeresrüstung, kreist.

Daß diese Momente bereits bei Schulte, Armee 1977 abgehandelt wurden, findet sich nur an einer Stelle - völlig ohne Einordnung und Komentar - quasi "unter ferner liefen" schwach angedeutet (Anm.16, S. 141, vorletzte Position vor Försters Hinweis auf sein eigenes Buch).

Im Einzelnen:

- S.128 wird der Begriff "corps royale", den Gerhard Ritter betonte, herangezogen. Aber weder Ritter noch Schulte finden Erwähnung.

S. 129 geht es eindringlich um die Frage, ob die "Truppe nicht mehr innenpolitisch einsatzfähig wäre". Ein zentrales Anliegen, sowohl von Schulte, Armee, wie des Leitaufsatzes in Schulte,Europäische Krise. Beide Arbeiten werden nicht genannt.

- Ebd. wird unten eine weitere "Vorschrift für den Waffengebrauch des Militärs" aufgeführt. Schulte, Europäische Krise befaßt sich vordringlich mit dieser Frage für den Zeitraum 1789-1914, wird jedoch nicht erwähnt.

- S. 133 fällt wiederholt der Begriff "Elite". Der Band Fritz Fischers "Bündnis der Eliten", der 1979 diesen Aspekt für die neuere deutsche Geschichte herausarbeitete, wird mit keinem Wort erwähnt. Ebensowenig sein unter anderem grundlegendes Werk zur deutschen rüstungspolitischen Vorbereitung zwischen 1911 und 1914 "Krieg der Illusionen" von 1969.

S.142 Anmerkung 22 wird Bezug genommen auf die "Vorschrift für den Kampf in insurgierten Städten", die bereits in meinem Buch zur deutschen Armee naturgemäß breit vorgestellt wird. Erneut dann in "Europäische Krise". Wiederum wird auf diese Diskussion des Themas nicht verwiesen. Dagegen werden Geyer, Pogge von Strandmann, und vor allem Roger Chickering und Gerhard Ritter, herausgestrichen.

Stig Förster: Der doppelte Militarismus. Die deutsche Heeresrüstungspolitik zwischen Status-Quo-Sicherung und Aggression 1890-1913, Stuttgart 1985.

Diese 1982 in Düsseldorf bei Wolfgang Mommsen verfertigte Dissertation steht in der Tradition der Mommsen-Schule, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ergebnisse der Hamburger Fischer Schule zum Kaiserreich zu konterkarrieren. Verbunden ist mit dem hier vorliegenden Vorstoß neben Karl Otmar von Aretin, der seine Schriftenreihe dieser Arbeit öffnete, so wie er vor wenigen Jahren Teile des Falkenhayn-Nachlasses einem weiteren Schüler Mommsens zur Verfügung stellte, Gerhard Krumeich, der Nachfolger Mommsens auf dem Düsseldorfer Lehrstuhl.

In einer detailliert die Literatur diskutierenden Einleitung findet F. selbst bei der Erklärung der "Wurzeln der Existenz zweier Militarismen" nicht zu Fritz Fischer oder anderen. Ganz in Abkehr von Berghahn findet F. zu einer Aussage meiner Arbeit zur deutschen Armee, die klar betont, daß es zu keiner Zeit ein budgetmäßiges - und damit tatsächliches - Übergewicht der Flotte über die Armee gegeben habe. Natürlich tut F. so, als sei das auf seinem ... gewachsen. Kein Hinweis! Auch die Frage der Armee zwischen innerer und äußerer Verwendung, die in meiner Arbeit zum Ertrag gehört, wird adaptiert, aber natürlich nicht belegt.

Dies erstaunt umso mehr, als genuiner Bestandteil meiner Untersuchung zur deutschen Armee naturgemäß die Rüstungspolitik der Jahre 1900 bis 1914(sic!) ist, und dies zusätzlich aus der französischen Sicht.- Kein Hinweis!

Im Einzelnen:

- S.10: Die Tendenz, die hinter diesen Methoden steckt, wird sogar offen ausgesprochen: "Die hervorragenden Beiträge von Michael Geyer und Roger Chickering mußten leider genauso unberücksicht bleiben wie das problematische Buch von Bernd F.Schulte"(Hervorh.v.m.,B.S.). Ebd., Anmerkung 23: "Bernd F. Schulte, Europäische Krise, und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs, 1871-1914, Frankfurt 1983. Zur Kritik des Autors an Schultes Buch vgl. Stig Förster:, Von der Marne nach Euroshima? Historische Vergleiche zwischen der Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges und heute, in: NPL 29(1984), S.443-447"(Hervorh.v.m., B.S.).

- Ebd., S.134: Auf die für eine Kriegsauslösung 1905/06 entscheidende Nachrüstung der deutschen Feldartillerie nimmt F. Bezug ohne Hinweis auf meine Studie zur deutschen Armee, die einen "Exkurs" zu diesem Thema enthält. Vgl. Schulte, Armee, S.381-393 und Schulte, Kriegsausbruch, S.73, 77.

- Ebd., S.146: F. zitiert den Bericht Gebsattels (Bayerischeer Militärbevollmächtigter) zur Rolle Holsteins in der Präventivkriegfrage, Ende 1905. Ist bei Schulte, Kriegsausbruch, S.31 bereits zitiert. Allerdings ohne den Bezug auf Holstein. Auch wird Schulte, Kriegsausbruch zur 1. Marokkokrise nicht herangezogen. Wie dieses bereits 1980 erschienene Buch F. nicht bekannt zu sein scheint.

- Ebd., S.146. Schulte, Armee, 12. Kapitel: Die Problematik des Bürgerkriegseinsatzes der Armee, S. 258-290, 16. Kapitel: Die Bürgerkriegstaktik der deutschen Armee, S. 535-547 mit Ausführungen zur Bürgerkriegsdrohung 1905 wird übergangen. Aber Schulte, Armee mit der Leitthese, die Kaiserreichsarmee sei zu großen Teilen eine Armee für den Einsatz nach innen gewesen, wird übernommen, ohne darauf hinzuweisen, woher diese These stammt. Nicht erwähnt wird ferner, Schulte, Die Armee des Kaiserreiches im Spannungsfeld zwischen struktureller Begrenzung und Kriegsrealität, 1871-1914, in: Ders.: Europäische Krise und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs, 1871-1914, Frankfurt-Bern 1983, S.45-124. Darin vor allem der Abschnitt: 4. Staatliche Exekutive und Bürgerkriegsdrohung, S. 74-119.

- Ebd., S.147., Anmerkung 15 bietet Schulte, Armee an erster Stelle und den Hinweis auf die Ergebnisse zur Umbewaffnung der Feldartillerie dort als Grund gegen einen Krieg mit Frankreich 1905/06. Wiederum wird Gebsattels Bericht vom 22.12.1905, der seit 1980 durch Schulte, Kriegsausbruch, S.67 publiziert ist nicht erwähnt, sondern nach den dort bekanntgegebenen Aktensignaturen erwähnt (ebenso Anm. 16 und 17).

- Ebd., S.148, Anmerkung 18: Wird der Brief Gebsattels an Einem erörtert, der in Schulte, Kriegsausbruch, S.90f. ebenfalls erstmals zitiert wird. Es werden aber andere Quellen genannt und so getan, als ob F. seine Kenntnisse aus dem Bestand Kriegministerium im Bayerischen Kriegsarchiv Mkr 42 direkt schöpfte.

- Ebd., S.148, Anmerkung 19: F. nimmt hier erstmals im Text Bezug auf Schulte, Armee und dessen These von der Bedeutung der Umbewaffnung der Feldartillerie für das Verschieben des Präventivkrieges mit Frankreich.

- End., S.166, Anmerkung 2: "Ritter und Schulte" behauptet F., stünden angesichts der "rüstungspolitischen Abstinenz des Generalstabes unter Moltke...vor einem Rätsel". Das kann F. wohl kaum ernst meinen, denn das haben beide Historiker so nicht ausgedrückt. Vielmehr beweist F. an allen Ecken und Enden, daß er von der Funkltionsweise und Funktion des militärischen Apparates - damals und heute - keine Ahnung hat.

- Ebd., S.167, Anmerkung 5: Zu Bülows großem Brief an Einem, Juni 1906, weist F. ausdrücklich auf Schulte, Armee, S.387f. hin. Schulte, Kriegsausbruch, S.90 wird dagegen wiederum übergangen.

- Ebd., S.191: Anmerkung 4 bis 9: Zum inneren Einsatz des Militärs gegen die Sozialdemokratie, über die "Vorschrift für den Kampf in insurgierten Städten" etc. , die Schulte, Armee, S.267 Auf den folgende Seiten wird die Ausbreitung dieser Vorschrift in den Korpsbezirken des Reiches systematisch verfolgt. Ab S.270 wird diese Vorschrift zum Gegenstand eingehender Darstellung. Auf S.276, Anm.1 wird die "Schlußbetrachtung" des Dokuments zitiert. S.535ff. bietet sich dasselbe Bild. Dasselbe gilt für Schulte, Europäische Krise, S.91ff., wo das gesamte Umfeld der staatlich-militärischen Vorbereitung auf den Bürgerkrieg detailliert und an Hand einer breiten Quellenbasis dargelegt wird. Auf all´dies wird nicht mit einem Wort Bezug genommen, sondern vielmehr tapfer abgeschrieben!

- Ebd., S.199, Anmerkung 22: Im Text wird auf Schulte, Armee, S.61 und die Bezeichnung des Heeresgesetzes von 1911 als "technischem Quinquennat" Bezug genommen. Tatsächlich heißt es dort: "Das technische Quinquennat von 1911 - das Gesetz des Abwartens". Ebenso Anmerkung 23. Hier ist die Seitenangabe falsch. Das Kapitel reicht statt bis S.66, bis S.78. Schultes Formulierung wird von F. als Kapitelüberschrift verwandt (S.190), ohne Hinweis auf die Quelle: Schulte, Armee, S.61.

- Ebd., S.244. Hier nimmt F. Bezug auf die gesunkene Achtung vor der deutschen Armee, "namentlich in Frankreich". Dies ist ein genuiner Gegenstand und Ansatz bei Schulte, Armee, Teil I: Die Kritik des westeuropäischen Auslandes an der deutschen Armee zwischen 1900 und 1914 (Kapitel 1-5) S.1-161. Wird von F. jedoch mit keinem Wort erwähnt!

-Ebd., S.248. F. entwickelt die Folgen des ersten Balkankrieges für die deutsche militärische Position in Mitteleuropa und erwähnt mit keinem Wort Schulte, Kriegsausbruch, S.17-46 und 75-122, wo zu diesem Gegenstand 1980 breit die Konsequenzen der türkischen Niederlage von 1912 entwickelt wurden.

- Ebd., S.270, Anmerkung 4: Viel zu spät, im Herbst 1913 (Hubertusstock) setzt F. mit dem neuen Rüstungsschub ein. Die Entscheidung vom 23.11.1912 in Springe, die Schulte, Europäische Krise, S. 19f. zeigt, wird geflissentlich übersehen [Druckfehler für Hubertusstock!]Hier wird deutlich, warum F. Schulte, Europäische Krise nicht gelesen haben will: weil damit seine Interpretation in sich zusammenfällt.

- Ebd., S.271, Anmerkung 12: F. weiß nichts von Springe. So erscheint ihm alles recht plötzlich und unmotiviert.

- Ebd., S.252-257, Anmerkung 16-29: Obwohl F. dem 8.12.1912 "eine Schlüsselrolle" zugesteht, werden Schulte, Armee, S.XXV, Kriegsausbruch, S.156, 88-107 und Europäische Krise, S.18-36, mit der wesentlichen Weiterentwicklung und Ergänzung der Forschung, nicht erwähnt.

Ebd. S.253, Anmerkung 17: Hier versteckt bezieht sich F. auf den o.a. ergänzenden Zusammenhang, ohne jedoch den bedeutenden Quellenfund eines neuen Belegs aus der Sicht des Teilnehmers am "Kriegsrat", Tirpitz, überhaupt gebührend zu erwähnen, geschweige denn adäquat zu würdigen: "Diese Passage, in der Tirpitz zu stärkeren Rüstungsanstrengungen der Armee anstelle eines sofortigen Krieges auffordert, war der Forschung bisher unbekannt. Es ist das Verdienst Bernd-Felix Schultes [Name falsch geschrieben], im Tagebuch des späteren Admirals Hopman, damals ein enger Mitarbeiter von Tirpitz, einen zusätzlichen Bericht über den ´Kriegsrat´und seine Folgen entdeckt zu haben, der einige sehr interessante, für die Forschung neue Details enthält. Bernd-Felix Schulte, Zu der Krisenkonferenz vom 8.Dezember 1912, in: Historisches Jahrbuch 102(1982), S.183-197, hier S.196" (Hervorh. v.m.,B.S.).

- Ebd., Anmerkung: 19: Wiederum wird für die Folgewirkungen des 8.12.1912 Schulte, Kriegsausbruch, S.88-107 übergangen, geht es doch dort um die sich anschließende systematische Vorbereitung auf den großen Krieg. Das ist umso erstaunlicher, als F. behauptet: "In Wirklichkeit jedoch hatte diese Sitzung weitreichende Folgen". Es fragt sich welche, wenn F. gerade die bei Schulte, Kriegsausbruch nachgewiesene personelle, materielle und strukturelle Vorbereitung der deutschen Armee im Folgenden mit müdem Flügelschlag wiederum leugnet. Denn in der Anmerkung 20, S.254, bescheinigt F. dem Fischer-Gegner Zechlin, dieser habe übersehen, "daß der ´Kriegsrat´mindestens auf dem rüstungspolitischen Sektor enorme Konsequenzen hatte". Und F. will dennoch Schulte, Kriegsausbruch, fünf Jahre nach dessen Erscheinen, nicht gekannt haben?

- Ebd., S.254, Anmerkung 20: Den Leisetreter Berghahn, der nichts anderes im Kopf hat als den ´Kriegsrat´ in seiner Bedeutung herabzusetzen, zitiert F. natürlich bereitwillig. Schulte, Krisenkonferenz mit der zentralen Tagebucheintragung Hopmans vom 16.12.1912 wird dagegen in die Anmerkung verpackt; der Ertrag jedoch an den eigenen, F.´s Hut, geheftet.

- Ebd., S.255, Anmerkung 22: Tatsächlich wird der große Gedankengeber F.´s, Gerhard Ritter, einmal widerlegt. Gasser allerdings, der 1968 mit seiner Behauptung von der Kassierung des Ostrufmarsches auf Grund der Literatur hervorgetreten ist, wurde 1980 bereits durch Schulte, Kriegsausbruch überholt. Schulte, Kriegsausbruch wird verschwiegen, obwohl dort erstmals aus den Akten und Nachlässen heraus zu dieser zentralen strategischen Veränderung Aufschluß gegeben wird.

- Ebd., Anmerkung 24: Wiederum wird die Krisenkonferenz von Springe am 23.11.1912 übergangen. Eine Übereinkunft zwischen Bethmann Hollweg und Moltke zur Heeresrüstung würde F.´s komplette Darstellung der polykratischen Militärpolitik des Reiches widerlegt haben.

- Ebd., S.265, Anmerkung 1: Hier nutzt F. die Gelegenheit, die Tatsache jeglicher Planmäßigkeit der Kriegsvorbereitung in Deutschland zurückzuweisen. Generalstab und Kriegsministerium in ihrer vermeintlichen Gegensätzlichkeit darzustellen war und ist in der jeweiligen politisch-wissenschaftlichen Situation das Interesse der national-konservativen Historikerfraktion gewesen. Das bestätigt F.: "Die bei Schulte, Armee, S.317, aufgestellte Behauptung, Generalstab und Kriegsministerium seien sich spätestens nach August 1912 in dem Bestrebungen, die quantitative und qualitative Aufrüstung zu Lande zu förden, einig gewesen und seien dabei nur auf den Widerstand des Reichstages und Teilen der Reichsleitung gestoßen, ist unhaltbar und geht hinter den bereits Anfang der 20er Jahre erreichten Forschungsstand (Herzfeld) zurück". Die schlagenden Belege in Schulte, Kriegsausbruch, S. 94ff. werden nicht zur Kenntnis genommen.

- Ebd., S.273 übernimmt F. Schulte, Armee, ohne dies kenntlich zu machen! Die These, Deutschland, bzw. der Generalstab, habe versucht, Frankreich kurzfristig zu überrüsten, dieses Ergebnis entwickelt Schulte, Armee, S.89ff. aus den französischen Verlautbarungen, speziell dem Publikationsorgan des französischen Generalstabes, der "Revue Militaire des Armées Étrangères", und einer Vielzahl militärpolitischer Publizisten.

- Ebd., Anmerkung 22: Auch F. übergeht wie A. die Dokumentation Schultes aus den Akten des Bayerischen Militärbevollmächtigten Wenninger, indem er den Bericht Wennigers vom 29.7.1914 aus dem angeblich von ihm benutzten Bestand des Bayerischen Kriegsarchivs, Kriegsministerium, zitiert statt aus: Bernd F.Schulte: Neue Dokumente zu Kriegsausbruch und Kriegsverlauf 1914, in: MGM 1/79.

- Ebd., S.288, Anmerkung 6: Warum wird Schulte, Kriegsausbruch, S.162-172 nicht zitiert - und dafür der unvollständigere Dieter Groh? Weil Schulte die militärischen Fragen der geheimen Anhörung der Politiker bringt, F. dies jedoch selbst aus dem Heeresarchiv /Stuttgart macht, um seine Funde zu präsentieren!

Ergebnis.

Es ist unübersehbar, daß

a) Förster "Schulte, Kriegsausbruch" als Gedankengeber und "Steinbruch" benutzt hat, und

b) "Schulte, Europäische Krise" angeblich nicht gekannt hat, weil das seine Argumentation über den Haufen geworfen hätte.

c) "Schulte, Armee" als Steinbruch benutzt wird.

Weiter ist mit Händen zu greifen, wie F. seine an sich wertvolle Darstellung durch eine überwiegend unseriöse Zitierweise - um nicht Schlimmeres zu sagen - entkräftet. Der Charakter einer "Anti-Schulte-Auftragsarbeit" ist an allen Ecken und Enden zu greifen und es fragt sich, wer einen jungen Wissenschaftler zu einem solchen Vorgehen anstiften kann.

Wolfgang MOMMSEN.

Wie die wissenschaftliche Diskussion "schulmäßig" vergiftet wird, dieses Lehrbeispiel liefert Wolfgang Mommsen in den zumeist aggressiv gehaltenen Anmerkungsapparaten seiner Schriften. Hier mögen einige "Stilblüten" zur Illustration unseres Zusammenhanges genügen.

Wolfgang Mommsen: Außenpolitik und öffentliche Meinung im Wilhelminischen Deutschland, 1897-1914, in: Ders.: Der autoritäre Nationalstaat. Verfassung, Gesellschaft und Kultur im deutschen Kaiserreich, Frankfurt 1990.

- S.373, Anmerkung 25: "...siehe ferner Bernd F.Schulte, zu der Krisenkonferenz am 8.Dezember 1912 in Berlin, in: Historisches Jahrbuch 102 (1982), S.183ff., mit neuem Material aus den Hopman-Papieren. Schultes wilde Polemik ist jedoch unangebracht, weil die von ihm und Röhl vorgelegten neuen Belege die oben dargelegte Interpretation im Grunde unterstützen". "Im Grunde" heißt: eigentlich ist das nicht wahr, was ich (Mommsen) behaupte. Im Übrigen sollte sich Mommsen an seine eigene Nase fassen, wenn gerade er sich über Stilfragen erregt. Selbst die "Großordinarien" haben sich der Diskussion zu stellen.

Wolfgang Mommsen: Grossmachtstellung und Weltpolitik. Die Außenpolitik des Deutschen Reiches 1870-1914, Frankfurt-Berlin 1993.

- S. 253. Daß Mommsen durchaus wahrnimmt, was sich in der Diskussion entwickelt, zeigt sein bereitwilliges Einschwenken auf meinen Begriff der "Krisenkonferenz", für die Unterredung bei Wilhelm II. am 8.12.1912.

- S.336, Anmerkung 25: "Vgl. für diesen Begriff, statt des bei Fritz Fischer verwendeten Terminus ´Kriegsrat´, Bernd F. Schulte, Zu der Krisenkonferenz vom 8.Dezember 1912, Historisches Jahrbuch, Bd.102, 1982, S.183-197; ders., Europäische Krise und Erster Weltkrieg. Beiträge zur Militärpolitik des Kaisereiches 1871-1914, Frankfurt 1983, S.35f. In seiner zuvor erschienen Studie, Vor dem Kriegsausbruch 1914. Deutschland, die Türkei und der Balkan, Düsseldorf 1980, S.75ff., verwendet Schulte noch den Begriff ´Kriegsrat´". - Natürlich, denn Forschung schreitet voran.

- S.255 Wieder wird der Begriff "Krisenkonferenz" adaptiert.- Interessant.

- S. 336, Anmerkung 30: "Die Darstellung von Bernd F.Schulte, Europäische Krise und Erster Weltkrieg, S.35ff. ist reich an Material, aber einseitig und methodisch unzulänglich; flache Polemik ersetzt allzu oft Sachargumente".- So werden "Pappkameraden" aufgestellt, um sie dann "abzuknipsen".-

- S. 348 Schulte, Kriegsausbruch wird richtig geschrieben!

- 351 "B.F.Saute, Europäische Krise und Erster Weltkrieg, Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs 1871-1914, Frankfurt am Main 1983". - Afflerbach passiert sowas auch.

- Ebd. "B.F. Schulte, Europäische Krise...".- Mommsens Werk wurde leider nicht zureichend lektoriert.

Ergebnis:
Kein Kommentar!

Und: Herr Mommsen, warum geht es heute nicht mehr so "formvollendet" wie noch 1968 in Ihrem Band zur Fischer Weltgeschichte?

Wolfgang J. Mommsen (Hrsg. u. Verfasser):
Das Zeitalter des Imperialismus, in:
Fischer Weltgeschichte, Bd.28, Frankfurt 1969."

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