Bernd F. Schulte

STASI IM Kirchberg an der Technischen Universität-München.

Wofür haben die DDR-Bürger 1989 gekämpft?


Im Wintersemester 2004/05 hielt der Dresdener Automobilhistoriker Professor Dr. Peter Kirchberg Vorlesungen an der TU-München. Kirchberg ist nachgewiesenermaßen Informeller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen (1974-1990). Seit 1984 arbeitete er an Projekten des sogenannten "immateriellen Exports" der DDR. Diese Aufträge brachten ihm den Aufstieg zum "Professor der DDR" an der Verkehrshochschule "Friedrich List" zu Dresden. Diese Institution wurde Anfang der 90iger Jahre abgewickelt. Kirchberg gelangte jedoch nicht in die Technische Hochschule-Dresden. Seine Personalakte wurde verschiedentlich in diesem Zusammenhang überprüft. In Ingolstadt tauchte der Stasi-Agent dann als Chefhistoriker der AUDI AG wieder auf, wurde Präsident des HORCH-Club Deutschland e.V. und vertrat AUDI im Innen- wie Außenbezug hinsichtlich der AUDI-Firmengeschichte und des Aufbaues von Automobilmuseen in Ingolstadt und Zwickau.

Forschungen zur Geschichte der "Beziehungen zwischen der westdeutschen Automobilindustrie und dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR" ergaben zwischen 1996 und 2003, dass Kirchberg konzentriert im Dresdener Raum zum Beispiel Wissenschaftlerkollegen an Verkehrshochschule und Verkehrsmuseum ausspähte. Er fällt dabei durch eine besonders militante Sprache gegenüber den Leitungen beider Häuser sowie ihm vorgesetzten Professoren auf. Offensichtlich nahm der IM an, diese behinderten seinen Aufstieg vom nachgeordneten Dozenten für Automobilgeschichte und Oldtimerenthusiasten zum Professor. Das bekamen einige dieser Personen kurz vor und/oder nach deren Pensionierung durch entsprechend militante Berichte Kirchbergs zu spüren, denn Kirchberg nutzte den langen Arm des MfS.

Dieses Verfahren entsprach dem Vorgehen Kirchbergs 1984ff., als es ihm darum ging, Bestrebungen der Audi AG für eine Unternehmensgeschichte - im Zusammenwirken mit "Freunden" bei VW in Wolfsburg - zu überspielen. Es ging ihm dabei um den Aufbau seines Ranges , vor allem durch Erfolge auf dem Sektor des "immateriellen Exportes" an Volkswagen. Dass Kirchberg in diesem Zusammenhang - wie er es nennt -"Spitzeldienste" auf Westreisen zu AUDI etc. für das MfS leistete, ist nachgewiesen. Hierauf hingewiesen, haben im Jahre 2004 weder AUDI (Firmengeschichte) noch VW (Firmenarchivar) reagiert. Die damals verantwortlichen Vorstände Hahn und Habbel mauern in dieser und anderen Fragen. Der Kanzler der TH-München, und dessen Pressereferentin, reagierten auf diese Mitteilungen des Verfassers zur Sache aggressiv. Man war nicht bereit, die Forschungsergebnisse des Verfassers auch nur zu lesen!

Erst Herr Minister Beckstein ergriff über das Kultusministerium der Bayerischen Staatsregierung Maßnahmen. Der bayerische Innenminister ließ am 28.4.2005 mitteilen, er habe "die beigefügten umfangreichen Unterlagen" zur Kenntnis genommen und teile die

"Ansicht, dass das große Unrecht, welches vom DDR-Regime und hierbei insbesondere dem Ministerium für Staatssicherheit verübt"

worden sei und dass dieses "keinesfalls in Vergessenheit geraten" dürfe. Ministerialrat Dr. Graf führte, im Auftrag Herrn Minister Becksteins, weiter aus:

"Aufgrund Ihres Hinweises haben wir uns an das zuständige Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, welches die Aufsicht über die Technische Universität München führt, gewandt. Von dort wurde uns mitgeteilt, dass Herr Prof. Kirchberg im Wintersemester 2004/2005 an insgesamt fünf Tagen à 2Semesterwochenstunden einen Vortrag "Historische Fahrzeuge" am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU-München gehalten hat. Der Vortrag erfolgte unentgeltlich und auf Veranlassung des Lehrstuhls. Es handelt sich deshalb nicht um einen Lehrauftrag. Eine weitere Zusammenarbeit mit Herrn Prof.Kirchberg ist in der Zukunft nicht geplant. Das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wird die Angelegenheit im Auge behalten".

Dieser Vorgang reicht sich in etwa die Hand mit dem Plan einer Geburtstagsfeier für Kirchberg im Verkehrsmuseum Dresden 2004. Die Forschungsergebnisse des Verfassers wurden dem Direktor des Verkehrsmuseums von dritter Seite nahegebracht. Der amtierende Direktor dort erklärte auf Befragen, diese Festlichkeit habe letztendlich nicht stattgefunden. Sei jedoch außerhalb der Institution, an neutralem Ort, durchgeführt worden. Offenbar hat der Dienststellenleiter in Dresden bis heute nicht begriffen, dass Stasi-Dienste und Wissenschaft in der Bundesrepublik nicht zusammenpassen. Auch der Archivdirektor des Staatsarchivs Dresden zeichnete sich vor einem halben Jahr durch besondere Machinationen bei dem Versuch einer Behinderung wissenschaftlicher Anfragen zu Kontakten zwischen Staatsarchiv und Verkehrshochschule "Friedrich List" in den Jahren 1983-88 aus. Verschleppt, eingegrenzt und schließlich in der Behauptung gipfelnd, das Archivmaterial sei erst nach 30 Jahren vorzulegen, wurde erst nachgedacht,, als ins Feld geführt wurde, für DDR-Akten und Vorgänge gebe es keine derartige Frist.

Offenkundig ist in unserem Staat inzwischen verloren gegangen, dass es ein "Weiter so" (im Trott der DDR) nicht geben kann und dass Sauberkeit in dieser Hinsicht oberstes Gebot sein muß. Denn wofür hätten die Menschen 1989 gekämpft, wenn nicht dafür? Aber wieso dieser IM den Titel eines Professors der DDR weiter tragen darf, erscheint unerfindlich. Darüber brütet der Bayerische Innenminister nun schon seit dem 28. April 2005.